Europa-Info-Point

Factsheet: Kleidung in der Fairtrade-Stadt Hamburg

Beim Europäischen Bürgerdialog am 11.02.2019 werden drei Themenfelder behandelt, die in einzelnen Workshops diskutiert werden sollen: Mobilität, Lebensmittel und Kleidung. Zur allgemeinen Vorbereitung gibt es drei themenspezifische Hintergrundblätter, die jeweils konkrete Maßnahmen mit Hamburger und EU-Bezug vorstellen.

Wir zitieren hier aus dem Factsheet „Kleidung“, das bei der Veranstaltung verwendet wird:  Factsheet_Kleidung

Hamburg trägt seit 2011 den Titel „Fairtrade-Stadt“, ist 2016 in das Netzwerk der Bio-Städte eingetreten und war 2011 Umwelthauptstadt von Europa. Ziel ist, den fairen Handel in der Hamburger Metropolregion zu stärken und so dazu beizutragen, dass der Welthandel ein Stück gerechter wird.

Arbeitsbedingungen Die Fairtrade-Idee basiert auf den Prinzipien der sozialen, ökonomischen und ökologischen Gerechtigkeit. Produkte, die das Fairtrade-Logo tragen, werden unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Die Arbeitnehmer*innen bekommen Mindestpreise für ihre Waren gezahlt; Ausbeutung, Kinderarbeit und Sklaverei sind verboten.

Dienstkleidung Ist funktional, komfortabel, modisch; doch unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt? In einem Workshop der Fairtrade-Stadt Hamburg wurden Fragen dazu erläutert, z.B. Wie kann man überhaupt „faire“ Dienstkleidung beschaffen? Warum ist das notwendig? Die Textilien sollten sozialverträglich und nachhaltig produziert werden. Informationen zu fairer Kleidung und Firmen, die sozialverträglich hergestellte Textilien anbieten, bietet u.a. die Fair Wear Foundation (Gütesiegel), hier wird die gesamte Produktionskette vom Hersteller bis zum Endkunden betrachtet.

Von Fast Fashion zu Slow Fashion Fast Fashion ist eine geradezu rasend schnelle Mode. Ökonomisch betrachtet ist Fast Fashion ein Erfolgsmodell global agierender Konzerne und ermöglicht enorme Profite. Doch die sind oft nur möglich, weil sie zu Lasten der Menschen in den Produktionsländern gehen, hergestellt unter teilweise unwürdigen Arbeitsbedingungen, mit Löhnen unterhalb des Existenzminimums und einer denkbar schlechten Umweltbilanz. Auf der anderen Seite leistet die Textilindustrie in vielen Ländern „Pionierarbeit“: Sie gibt vielen Menschen ohne Ausbildung Arbeit und Einkommen und zieht weitere Branchen nach.

Faire Mode Zunehmend bemühen sich Produzenten*innen und Konsumenten*innen um mehr Verantwortung und Respekt gegenüber Menschen, Rohstoffen und Umwelt: Bio, fair und Produkte aus recycelten und upcycelten Stoffen sind zu einer gelebten Einstellung für eine breite Masse geworden. Und dass fair auch modisch sein kann, beweisen die vielen Labels und Stores, die es in Hamburg gibt.

Secondhand – Tipps: Stilbruch: Als Tochterunternehmen der Stadtreinigung Hamburg ist Stilbruch nicht gewinnorientiert und verarbeitet u.a. vom Sperrmüll gerettete Gegenstände. Durch die Einnahmen soll ein größerer Kostendeckungsgrad bei der Abfallwirtschaft erreicht werden. Es kommt also allen Hamburger*innen zu Gute.

Tauschbörsen oder Tauschparties: Mittlerweile gibt es verschiedene Online-Plattformen auf denen Secondhand-Klamotten gehandelt werden können. Und auch im realen Leben wechseln gebrauchte Kleidungsstücke z.B. auf Tauschparties ihre Besitzer*in.

Auch etablierte Akteur*innen der Wirtschaft legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit. So verleiht eines der größten Versandhäuser Deutschlands mit Sitz in Hamburg, welches bekannt für seinen Kaffee-Vertrieb ist, seit Januar 2018 Baby- und Kinderkleidung über ein eigenes Online-Portal. Auch ein schwedisches Textilhandelsunternehmen aus Stockholm hat 2018 ein neues Pilotprojekt in Hamburg gestartet. Ziel ist die Aufklärung über die bessere Pflege von Kleidung. Es umfasst eine Reparaturstation im Geschäft, Produkte zur Pflege von Kleidungsstücken sowie Online-Ratschläge zur Pflege, Erneuerung und zum Recycling unerwünschter Kleidungsstücke. Die Kunden werden aufgefordert, Kleidung von jeder Marke zur Erneuerung mitzubringen.

Selbst aktiv werden: Der Faire Stadtplan ist eine interaktive Karte von Hamburg, auf der Läden/Organisationen eingezeichnet sind, die faire Produkte vertreiben oder sich mit dem Fairen Handel beschäftigen.

Kleidersammlung Hamburg Altkleider können in Altkleidercontainer abgegeben oder zu den DRK-Kleiderkammern gebracht werden. Die Kleiderkammern versorgen insgesamt rund 1,2 Millionen Menschen bundesweit mit gut erhaltener Kleidung oder Schuhen. Pro Jahr werden ca. 18 Millionen Kleidungsstücke abgegeben. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Altkleider in Depotcontainern der Hamburger Stadtreinigung mithilfe der Containersuche-Funktion der Stadtreinigung Hamburg abzugeben. Die Recyclinghöfe selbst nehmen auch Kleidung an.

Kleidung in der Europäischen Union

Die EU sorgt für einen fairen Handel mit anderen Teilen der Welt Im Herbst 2015 hat die Europäische Kommission die neue Strategie „Handel für alle“ vorgestellt. Ziel ist Wirtschaftswachstum mit sozialer Gerechtigkeit, Menschenrechtsstandards und Schutznormen zu verbinden und Rechtsstaatlichkeit zu fördern. Hierzu nimmt die EU u.a. Vorschriften zur Korruptionsbekämpfung in künftigen Handelsabkommen auf.

EU strebt mehr Nachhaltigkeit in der Textilindustrie an Neven Mimica, EU-Kommissar für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung, stellte ein Arbeitsdokument vor, das EU-Entwicklungsaktionen für eine nachhaltige Wertschöpfungskette enthält und die Kommission verpflichtet, die Nachhaltigkeit im Bekleidungssektor mit seinen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekten zu fördern und zu integrieren. Die Europäische Kommission stimmte vier neuen Projekten in Zusammenhang mit dem Bekleidungssektor zu. Sie setzen einen besonderen Schwerpunkt in den Ländern Bangladesch, Burkina Faso, Mali und Pakistan. Die Projekte haben einen Umfang von 45 Mio. Euro. Sie sollen die Geschäftspraktiken und die Arbeitsbedingungen in Herstellerländern nachhaltig verbessern.

EU Ecolabel: Das EU Ecolabel ist das in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, aber auch von Norwegen, Liechtenstein und Island anerkannte, EU-Umweltzeichen. Das 1992 durch eine EU-Verordnung (Verordnung EWG 880/92) eingeführte freiwillige Zeichen hat sich nach und nach zu einer Referenz für Verbraucher*innen entwickelt, die mit dem Kauf von umweltfreundlicheren Produkten und Dienstleistungen zu einer Verringerung der Umweltverschmutzung beitragen wollen.

Europäischer Bürgerdialog: Nachhaltiger Konsum und Verantwortung, 11.02.2018, Rathaus