Die neue Agenda für nachhaltige Entwicklung im Fokus der Sommervorlesung an der Universität Hamburg

Eine gute Gelegenheit, engagierte Insider der globalen Entwicklungspolitik in Hamburg zu erleben, bietet eine Ringvorlesung der Universität Hamburg in diesem Sommersemester. Es geht um die 2030-Agenda, den neuen universalen Rahmen zur Unterstützung aller Länder bei der Beseitigung von Armut und der Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung bis 2030. Dazu haben die Vereinten Nationen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) beschlossen, die allen Menschen ein Leben in Würde ermöglichen sollen.
In Zusammenarbeit mit der Society for International Development (SID) Hamburg stellen Fachleute aus Deutschland nacheinander ihre Ansätze und Sichtweisen dazu vor. Sie treffen auf kompetente Hamburger Discussants und debattieren jeweils im Anschluss mit Studierenden und dem vielfältigen Publikum. Dies soll allen Beteiligten eine Bewertung der ambitionierten „SDGs“ erleichtern und die Möglichkeiten lokalen Handelns aufzeigen. Bis zur  Abschlussveranstaltung am 5. Juli werden konkrete Handlungsoptionen für und in Hamburg gesammelt.
Jens Martens vom Global Policy Forum startet die Vorlesungsreihe heute. Am 12. April folgt der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer mit seiner Bewertung der Entwicklungsagenda in Bezug auf die Bekämpfung von globalen Fluchtursachen. Im Rahmen der Ringvorlesung werden dann noch viele weitere führende Köpfe zum Thema globale Zukunft erwartet. Prof. Dr. Cord Jakobeit von der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften koordiniert die Reihe.
Die öffentlichen Vorlesungen finden im wöchentlichen Rhythmus statt. Interessierte und Fachpublikum sind auch eingeladen, jeden Dienstag von 18-20 Uhr, online per Videostreaming über das Internet oder direkt vor Ort am Dammtor teilzunehmen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine anschließende Diskussion findet auch bei Twitter unter #epolrv statt.

Hintergrund
In dem längsten partizipativen Entscheidungsprozess der Geschichte der Vereinten Nationen einigten sich am 25. September 2015 ihre 193 Mitgliedsstaaten auf die Agenda 2030 mit 17 Hauptzielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs).
Die Vision dieses Weltzukunftsvertrags ist, allen Menschen ein nachhaltiges Leben in Würde und Unversehrtheit zu ermöglichen. Wir könnten damit die erste Generation sein, die Armut und Hunger auf der Welt beendet – ebenso wie wir die letzte sein könnten, die die Chance hatte, den Planeten zu retten.
Die Lösung der sozialen, ökologischen, ökonomischen und politischen Herausforderungen geht weit über die Möglichkeiten der Entwicklungspolitik hinaus und nimmt alle Länder in Verantwortung. Auch Hamburg, Deutschland und die Europäische Union arbeiten an der Umsetzung der Ziele bei sich und weltweit.
Mit der 2013 ins Leben gerufenen Ringvorlesung verfolgt der SID Hamburg das Ziel, zivilgesellschaftliche und wissenschaftliche Beiträge zu einer sozial-ökologischen Transformation in Richtung nachhaltiger Entwicklung bekannt zu machen und lokale Netzwerke dazu zu stärken.
SID ist ein globales Netzwerk von Menschen und Institutionen, das sich seit 1957 partizipativ, pluralistisch und nachhaltig für Konsens, Dialog und Innovation in der Entwicklungspolitik einsetzt. Das SID-Chapter Hamburg führt dazu engagierte Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur und Medien mit der entwicklungspolitischen Praxis zusammen.
Die Reihe wird gefördert von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) aus Mitteln der Bingo-Lotterie und weiteren Zuschüssen. Die Hamburger Kooperationspartner Eine Welt Netzwerk, Zukunftsrat, Europa-Union, Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität und GIGA German Institute of Global and Area Studies stellen sich im Laufe der
Ringvorlesung vor.

Was? Ringvorlesung der Universität Hamburg
Wie wirkt die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung?
Wann? 5. April bis 5. Juni 2016, 12 Termine, jeweils am Dienstag ab 18 Uhr bis 20 Uhr
Wo? Universität Hamburg, Hauptgebäude, Hörsaal B (Kuppelsaal),
Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg (Bahnhof Dammtor)
Webcast https://lecture2go.uni-hamburg.de/livewiso
Infor-
mation
http://www.sid-hamburg.de/ringvorlesung2016
ringvorlesung@sid-hamburg.de

Programm 
Dienstag, 12. April 2016, 18 Uhr,
Bekämpfung von Fluchtursachen – Was heißt das konkret? Dr. rer. pol. Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Sustainable Development Solutions Network, Höxter. Discussant: Portia Sarfo, Eine Welt Netzwerk Hamburg, Initiative WeSelf .
Dienstag, 19. April 2016, 18 Uhr,
Wandel statt Wachstum! Wie kann Zivilgesellschaft die SDGs als politische Agenda in den Kontext eines beginnenden Wandels zu einer postfossilen Gesellschaft stellen? Christian Cray, Dipl. Päd., Projektleiter von „Weltwunder – Wandel statt Wachstum“ des Verbands Entwicklungspolitik Niedersachsen (VEN), Hannover. Discussant: Bianca Perčić, Koordinatorin „Hamburg entwickeln für Eine Welt“.
Dienstag, 26. April 2016, 18 Uhr,
Niemanden zurücklassen! Was ist die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung? Arne Molfenter, Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa (UNRIC), Bonn.
Discussant: Katharina Scheffler, Plan International Deutschland, Hamburg.
Dienstag, 3. Mai 2016, 18 Uhr,
Wie kann die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele in Deutschland überwacht und visualisiert werden? Claudia Schwegmann, 2030-Watch, Open Knowledge Foundation Deutschland e. V., Berlin.
Discussant: Dr. Jochen Menzel, Zukunftsrat Hamburg.
Dienstag, 10. Mai 2016, 18 Uhr,
Wie ist die globale Entwicklung mit Gender- und Geschlechtsdimensionen zu bewerten? Hannah Birkenkötter, Women in Europe for a Common Future (WECF), Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN), Berlin. Discussant: Prof. Dr. h. c. Christa Randzio-Plath, Marie-Schlei-Verein, Hamburg.
Dienstag, 24. Mai 2016, 18 Uhr,
Was kann gegen soziale Ungleichheit sowie die strukturellen Ursachen von Armut getan werden? Marion Lieser, Oxfam Deutschland, Berlin.  Impulsreferat: Dr. Lena Giesbert, GIGA German Institute of Global and Area Studies, Hamburg.
Dienstag, 31. Mai 2016, 18 Uhr,
Wie kann nachhaltige Entwicklung in die Hochschulbildung integriert werden? Prof. Dr. Gerd Michelsen, UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“, Lüneburg. Discussants: Prof. Dr. Sandra Sprenger, Universität Hamburg und Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Willkomm, HafenCity Universität Hamburg
Dienstag, 7. Juni 2016, 18 Uhr, ESA1-B Globale Kooperationen für die Große Transformation zur Nachhaltigkeit – Wie kann das gelingen? Prof. Dr. Dirk Messner, Deutsches Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), Bonn, Vorsitzender Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU).  Discusssant: Apl. Prof. Dr. Jann Lay, GIGA German Institute of Global and Area Studies, Hamburg.
Dienstag, 14. Juni 2016, 18 Uhr,
Globalisierung gerecht gestalten! – Ist die Agenda 2030 das richtige Mittel zum Zweck? Dr. Bernd Bornhorst, Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), Misereor, Aachen. Discussant: Alexandra Endres, Redakteurin ZEIT ONLINE, Hamburg.
Dienstag, 21. Juni 2016, 18 Uhr,
Welche Möglichkeiten haben Nichtregierungsorganisationen zwischen Vereinnahmung und Repression? Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin. Discussant: Holger Harms, peace brigades international (pbi) Hamburg. In Kooperation mit umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e. V.
Dienstag, 28. Juni 2016, 18 Uhr,
Wüsten fruchtbar machen – welche Ziele der Agenda 2030 stehen im Widerspruch zueinander und wie lässt sich das lösen? Prof. Dr.-Ing. Dr. Christian Berg, Vorstand Deutsche Gesellschaft des Club of Rome, TU Clausthal. Discussant: Dr. H.-Christoph Schaefer-Kehnert, GFA Consulting Group, Hamburg.
Dienstag, 5. Juli 2016, 18 Uhr,
Abschlussveranstaltung

Nord-Konferenz zur deutschen Nachhaltigkeitsstrategie

Am 11. Februar 2016 tagte in Hamburg die Regionale Dialogkonferenz zur Weiterentwicklung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Senatoren, Staatsekretäre und Vertreter norddeutscher Ministerien diskutierten gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft, wie sich die nationale Nachhaltigkeitsstrategie aussehen soll, nachdem die Vereinten Nationen im vergangenen Herbst als „Agenda 2030“ 17 Ziele formuliert hatten.

Hintergrund

Hamburg engagiert sich bereits zu vielen Aspekten der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit und setzt dabei an ganz konkreten Punkten an, in denen die Stadt Handlungs- und Gestaltungsspielraum hat. Mit dem Leitfaden für ökologische Beschaffung z.B. hat die Umweltbehörde gerade erst ein verbindliches Regelwerk für den Einkauf der Stadt geschaffen. Die Kriterien für Produkte wie Büropapier, Lebensmittel, IT-Hardware und Möbel sollen nun zu einem nachhaltigen Leitfaden weiterentwickelt werden, der neben den ökologischen auch verstärkt soziale und ökonomische Standards berücksichtigt. Aber auch die Energiewende, die Investition in Grünflächen als Erholungs- und Bewegungsräume, die Bemühungen um gesunde Luft und gute Wasserqualität stehen ganz im Zeichen nachhaltiger Politik. Diese Erfahrungen will Hamburg in die Diskussion mit der Bundesregierung und den anderen norddeutschen Bundesländern einbringen.

Nachhaltigkeitsstrategie und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen

Nach Veranstaltungen in Berlin, Dresden, Stuttgart und Bonn bildete die Hamburger Konferenz den Abschluss der Ländertour der Bundesregierung zur Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Die Anregungen und Ideen der Konferenzen werden in die Aktualisierung der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie einfließen, die ganz im Zeichen der Agenda 2030 stehen wird.
Mit der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen im September 2015 erstmals 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung definiert, die nicht nur für die Länder des Südens, sondern gleichermaßen auch für die Industriestaaten gelten. Damit sollen gemeinsam die großen globalen Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung angegangen werden – u. a. Hunger, Armut, fehlende Bildung, Umwelt- und Klimaschutz. Deutschland zählt als entwickelte Industrienation zu den 20 Prozent der Weltbevölkerung, die 80 Prozent der globalen Ressourcen verbrauchen. Deshalb ist Deutschland in der Verantwortung, bei vielen Zielen zunächst einmal bei sich selbst anzusetzen.

Quelle: http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/5038414/2016-02-10-bue-konferenz-nachhaltigkeitsstrategie/

Mehr zur Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Nachhaltigkeitsstrategie/_node.html

Deutscher Städtetag zu Entwicklungszielen der Vereinten Nationen

Kommunen setzen sich für Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung ein

Der Deutsche Städtetag unterstützt die Entwicklungsziele für Nachhaltigkeit und Armutsbekämpfung in der 2030-Agenda, auf die sich die Staaten beim UN-Gipfel in New York geeinigt haben. In der 2030-Agenda wird deutlich: Für die Umsetzung in den Mitgliedstaaten spielt die kommunale Ebene eine besondere Rolle. Vor diesem Hintergrund schlägt der Deutsche Städtetag seinen Mitgliedstädten vor, sich für ausgewählte Ziele der Agenda auf lokaler Ebene zu engagieren.

„Kommunen in vielen Staaten der Welt setzen sich beim Kampf gegen die Armut sowie bei globalen Umweltherausforderungen ein. Ohne kommunale Beteiligung können die Staaten die Herausforderungen für Nachhaltigkeit nicht bewältigen. Es müssen beispielsweise Lösungen für Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten oder für die Beseitigung der negativen Folgen des Klimawandels gefunden werden“, sagt Dr. Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Viele deutsche Städte agieren schon jetzt international. Dabei spielen Themen der Nachhaltigkeit eine große Rolle.

Die 2030-Agenda bildet einen neuen globalen Rahmen für nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung. Sie knüpft an die bis 2015 gesetzten Millenniumsziele der Vereinten Nationen an. Mit den neuen insgesamt 17 Zielen geht auch ein Paradigmenwechsel einher. Wichtig dabei ist es, für gemeinsame „Weltanliegen“ wie öffentliche Güter und Ressourcen auch gemeinsame Verantwortung zu übernehmen.

Aus kommunaler Perspektive sind vor allem folgende Entwicklungsziele relevant:

  • Städte und Siedlungen sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen,
  • Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern,
  • eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen,
  • Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.

Der Deutsche Städtetag hat gemeinsam mit dem Rat der Gemeinden und Regionen Europas/Deutsche Sektion für seine Mitgliedstädte eine Musterresolution erarbeitet: Damit können Städte ihre Bereitschaft signalisieren, sich für ausgewählte Ziele der Agenda auf lokaler Ebene zu engagieren. „Mit der lokalen 2030-Agenda wollen wir die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen mit Leben erfüllen“, so Articus.

Die Kommunen können beispielsweise in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit vor Ort aktiv sein oder kommunale Strategien für ein Nachhaltigkeitsmanagement verfolgen. Andere Städte erweitern oder vertiefen ihr Partnerschaftsnetz, unterstützen ihre Partnerstädte auf anderen Kontinenten durch kommunalen Erfahrungsaustausch und beraten beim Aufbau selbstverwalteter Strukturen. Dabei profitieren sie ebenfalls von innovativen Ansätzen und neuen Methoden ihrer Partner.

Sustainable Development Goals: Welche Rolle übernehmen die 16 Deutschen Länder?

Welchen Beitrag zur Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) können und müssen die 16 Deutschen Länder vor dem Hintergrund ihrer Zuständigkeiten und ihrer Handlungsinstrumente leisten? Wie lassen sich die in den SDGs formulieren Ziele in konkrete Maßnahmen übersetzen, die auf Ebene der Länder und Kommunen greifen? Eine Studie des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) soll bis Mitte November erste Antworten auf diese Fragen liefern.

Ab Januar 2016 werden die Sustainable Development Goals (SDGs), die nachhaltigen Entwicklungsziele, die bisherigen acht Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ablösen. Es werden für alle Länder geltende globale Zielvorgaben zur ökologischen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit bis zum Jahr 2030 festgelegt.

Die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele muss über konkrete Zielformulierungen und Maßnahmen auf nationaler Ebene und auf der Ebene der Länder und Kommunen erfolgen. Anders als die Millenniumsziele sind die 17 Ober- und 169 Unterziele der SDGs dabei universeller Natur und sprechen auch die industrialisierten Länder an. Eine Studie des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn soll bis Mitte November erste Antworten auf diese Fragen liefern, die von der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Angelica Schwall-Düren und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) in der Engagement Global gGmbH gemeinsam gefördert wird. Die Untersuchung soll vor dem Hintergrund des seit Anfang August vorliegenden Zielkatalogs systematisch überprüfen, welche Beiträge die 16 Deutschen Länder, unter anderem auch auf kommunaler Ebene, leisten können und sollten. Maßstab dafür sind ihre formalen Kompetenzen, Aufgaben und Instrumente, zum Beispiel in der Bildungs-, Wirtschafts-, Umwelt- und Entwicklungspolitik.

Die Untersuchung ist umsetzungsorientiert angelegt und zielt vor allem darauf ab, den Ländern auf die Praxis orientierte Informationen und Handreichungen zu liefern. Vor dem Hintergrund des Beschlusses der Ministerpräsidenten der Länder zur Post-2015-Agenda vom Juni 2014 sind solche Informationen umso wichtiger: Die Regierungschefs erklären dort, dass die neuen globalen Nachhaltigkeitsziele die Anforderungen an ein kohärentes Regierungshandeln erhöhen, um sie auch auf Landesebene zu erreichen. Ein abgestimmtes, gemeinsames Handeln in Deutschland für eine nachhaltige Entwicklung wird als notwendig betrachtet, sowohl zwischen Bund und Ländern, etwa bei bewährten Bildungsschwerpunkten, oder im Rahmen der entwicklungspolitischen Landespartnerschaften, als auch bei der Zusammenarbeit mit Kommunen, Zivilgesellschaften, Wirtschaft und Kirchen.

Weitere Informationen finden Sie hier (Rubrik Im Fokus) sowie hier (Rundbrief Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd zum Thema „Sustainable Development Goals“)

World University Service e.V., 21 September 2015

ZukunftsTour in Hamburg: Vom Freihandel zu fairem Handel

Olaf Scholz und Dr. Gerd Müller lassen sich das Projekt des Vereins Forum zum Austausch zwischen den Kulturen von Schülerinnen erklären. (Fotos: Jörg Müller, engagement global)
Das Bild zeigt den Ersten Bürgermeister Olaf Scholz und Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller mit Schülerinnen, die Zahnprophylaxe anhand von großen Plastikgebiss und Zahnbürste erklären. Olaf Scholz und Dr. Gerd Müller lassen sich das Projekt des Vereins Forum zum Austausch zwischen den Kulturen von Schülerinnen erklären. (Fotos: Jörg Müller)

Hamburg, 4. September 2015. Großer Andrang in Hamburg: Bereits um 9 Uhr strömten viele Schulklassen in die Fischauktionshalle. Insgesamt besuchten 650 Menschen die ZukunftsTour auf ihrer Station dort. Interessiert verfolgten die Besucherinnen und Besucher die Politikarena, die vom Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Olaf Scholz und Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller eröffnet wurde.

Seinem Grußwort stellte Olaf Scholz die Frage voran: „Was können wir, als Tor zur Welt, für die globale Entwicklung tun?“ Die gestiegene Zahl der Flüchtlinge habe viele Ursachen und Hamburg unternehme viel, um den Flüchtlingen eine Perspektive auf ein sicheres Leben zu geben. Er könne gut die Motivation der Flüchtlinge nachvollziehen getreu dem Zitat aus einem Märchen: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“ Der Erste Bürgermeister sprach gezielt die jungen Menschen an: „Sie sind unsere Kernkompetenz.“ Und Hamburg müsse Innovationen in die Welt bringen, wozu die Entwicklung von Produkten, Verfahren und Technik zähle, die in Schwellen- und Entwicklungsländern adaptiert werden können und so zu einer globalen und nachhaltigen Entwicklung beitragen. „Denn lokal ist überall.“

„Hamburg ist ein Leuchtturm für unsere ZukunftsTour“, sagte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller in seiner Rede. Mit seinem Hafen als Tor zur Welt habe Hamburg eine ganz besondere Bedeutung, wenn es um die Frage ginge, wie wir unseren Wohlstand nachhaltig leben. „Das geht von Kaffee über Kakao über unsere Kleidung bis hin zum Elektroschrott, den wir großenteils nach Afrika verschiffen und dort von Kindern auf giftigen Müllhalden auseinandernehmen lassen.“ Müller würdigte Hamburgs Engagement als Fairtrade-Stadt und freute sich besonders auf die Pläne, mit der Olympiabewerbung ein Nachhaltigkeits-Beispiel zu setzen. Er betonte, dass der Weberaufstand im 19. Jahrhundert und die große Not damals den Beginn für soziale Standards in Deutschland setzten. Und dass es heute darum ginge, im Produktionsbereich von Textilien diese damals erkämpften Standards auch Menschen in anderen Ländern zuzugestehen. „Entscheidend ist, dass wir den Markt vom Freihandel zu fairem Handel entwickeln“, sagte der Bundesentwicklungsminister.

In der anschließenden Diskussion wurde neben der Rolle des Konsumenten auch die Rolle der Wirtschaft bei fairem Handel und Produktion thematisiert. Hier plädierte Andreas Streubig von der Otto Group für eine geteilte Verantwortung und befürwortete das Textilbündnis: „Das Tun macht Arbeit! Das gilt auch für Unternehmen. Und ja, es kostet Geld!“ Außerdem an der Diskussion beteiligt waren Jürgen Klimke, Mitglied des Deutschen Bundestages, Maike Röttger von Plan International Deutschland, Klaus Milke von Germanwatch, Friederike Lang von hamburg mal fair und Jakob Berndt von LemonAid.

Lebendig und praxisnah wurde die Vielfalt entwicklungspolitischer Themen in der Zukunftswerkstatt präsentiert, wo engagierte Vereine und Projekte an Lernstationen, Ausstellungen und in Workshops viel Wissenswertes zu fairem Handel, Klimaschutz, Flucht und Migration vermittelten.

„Im Idealfall gibt es in einer gerechten Welt keine Grenzen mehr“, sagt der Schüler Sven. Und für die Besucherin Ilka Kampen steht fest: „Das Thema muss publik gemacht werden, niemand darf die Augen verschließen, denn jeder hat das Recht auf Freiheit, Frieden, ruhigen Schlaf und freien Willen. Es ist schon unfair, wenn wir das haben und andere nicht.“

„Ich bin mit meiner Schulklasse hier und wir nutzen den Tag als Informationsveranstaltung für ein Schulprojekt. Wenn ich mir das Eine-Welt-Spiel anschaue, ist unsere Welt nicht gerecht. Gerecht wäre, wenn jeder das hätte, was er braucht. Wir haben heute viel darüber und über das, was wir tun können, diskutiert“, erklärt die Berufsschullehrerin Maren Klentze-Konow.

Jakob Hamborg macht gerade ein Praktikum bei einer Non-Profit-Organisation in Hamburg und sagt: „Wichtig ist, dass kein Land mehr darauf aus ist, ein anderes auszunutzen, sondern dass Waren zu beiderseitigen Vorteilen getauscht werden. Als Verbraucher kann man viel tun, indem man darauf achtet, wie man kauft.“

Die ZukunftsTour zieht von Hamburg aus weiter. Die nächsten Stationen sind Potsdam und München. Überall geht es dabei um ein Ziel: durch spannende Gespräche und Aktionen weltweite Entwicklungen besser zu verstehen und für nachhaltige Entwicklung – auch durch das Handeln eines jeden Einzelnen – zu werben.

Quelle: http://zukunftstour.zukunftscharta.de/aktuelles/archiv/zukunftstour-in-hamburg-vom-freihandel-zu-fairem-handel-33.html

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