EBC Hochschule in Hamburg wird Fairtrade-University

Foto: EBC Hochschule; Talkrunde EBC Verleihung zur Fairtrade-University am 05.07.2016;

Es lag eine gewisse Spannung und Freude in der Luft kurz bevor es offiziell von Fairtrade-Deutschland-Vertreter, Herrn Lübke verkündet wurde: Die EBC Hochschule wird erste private Fairtrade-University in Deutschland und rangiert auf Platz 6 der in Deutschland ausgezeichneten Fairtrade-Universitäten.

Das vom Verein TransFair vergebene Siegel bekommt, wer erfolgreich ein umfassendes Bewerbungsverfahren durchläuft. Ausgezeichnet werden Hochschulen, die an ihrem Campus das Bewusstsein für fairen Handel schaffen und in konkreten Projekten aktiv werden. Das bedeutet, dass in den Hochschulen das Thema Fairer Handel ernst genommen und Bestandteil der Lehre, Verwaltung und Öffnentlichkeitsarbeit wird.

Die Fair Trade Stadt Hamburg hatte die Gelegenheit in einer kleinen Podiumsrunde während der Auszeichnungsfeierlichkeiten einigen Fragen zu beantworten.

So wurde die Frage gestellt, warum viele Hamburger_innen nicht wissen, dass  Hamburg den Titel Fair Trade Stadt trägt. Da die neue Projektleitung erst seit Februar 2016 am Start ist, konnten dazu keine detaillierten Angaben gemacht werden. Klar ist, dass es sicherlich noch viel Potential gibt, das die Projektstelle nutzen kann, um den Titel und die damit verbundenen Aufgaben bekannter zu machen. Des Weiteren wünscht sich die Koordinatorin der Fair Trade Stadt, dass noch viel stärker „gemeinsame Sache“ gemacht wird. Grundlage dafür ist bereits geschaffen. Die Fair Trade Stadt Hamburg ist in der Hamburger Politik und Wirtschaft so präsent wie selten zuvor. Quelle: http://www.fairtradestadt-hamburg.de

URBACT Förderprogramm für eine integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung

URBACT, das europäische Programm für nachhaltige Stadtentwicklung

URBACT ist ein europäisches Programm für nachhaltige, integrierte Stadtentwicklung. Es fördert seit vierzehn Jahren den europaweiten Erfahrungsaustausch zwischen Städten und unterstützt sie gleichzeitig bei ihren wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Herausforderungen vor Ort.

Zusammenarbeit im Rahmen von Netzwerken

Die Zusammenarbeit der Städte erfolgt im Rahmen von Netzwerken, an denen jeweils bis zu maximal zwölf Partner mitarbeiten. Dabei gibt es drei verschiedene Typen: In den „Aktionsplanungs-Netzwerken“ entwickeln die beteiligten Institutionen lokale Stadtentwicklungskonzepte für ein bestimmtes Thema. In den „Umsetzungs-Netzwerken“ werden Städte, die bereits eine Stadtentwicklungsstrategie erarbeitet haben und über eine gesicherte Finanzierung für dessen Durchführung verfügen, bei der Umsetzung unterstützt. In den „Transfer-Netzwerken“ schließlich steht die Übertragbarkeit guter Praxisbeispiele im Vordergrund, wobei eine erfolgreiche Stadt als „Vorbild“ fungiert, die ihre Erfahrungen an andere Kommunen weitergibt.

Vernetzung, Strukturen, Kompetenzen

Schlüsselaktivitäten bei URBACT sind die transnationale Vernetzung der Städte, der Aufbau von Strukturen und Kompetenzen der integrierten Stadtentwicklung vor Ort sowie die Nutzung und Verbreitung der erreichten Ergebnisse. Förderfähig sind schwerpunktmäßig Forschung und Innovation, CO2-arme Wirtschaft, Umweltschutz und Ressourceneffizienz, soziale Integration und Armutsbekämpfung sowie Beschäftigungsförderung und Arbeitsmobilität. 30 Prozent des Budgets stehen jedoch für alle Themen der Stadtentwicklung offen, die einen „Bottom-up-Ansatz“ verfolgen.

Förderung und Budget

Das Gesamtbudget für URBACT 2014-2020 beträgt 96 Millionen Euro. Es setzt sich aus Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Kofinanzierung durch die Mitglieds- und Partnerstaaten zusammen. Pro Netzwerk stehen 600.000 bis 750.000 Euro zur Verfügung. Alle Partner müssen eine Eigenbeteiligung leisten. Die Kofinanzierungsrate der EU für stärker entwickelte Regionen liegt bei 70 Prozent, für weniger entwickelte und Übergangsregionen gibt es 85 Prozent EFRE-Förderung. Zusätzlich bietet URBACT jedem Netzwerk 127.500 Euro für einen begleitenden „Lead Experten“, der die Städte fachlich-inhaltlich betreut.

Zweistufiges Bewerbungsverfahren

Die Bewerbung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Nach dem ersten Antrag haben die Netzwerke sechs Monate lang Zeit, ihr Konzept weiter auszuarbeiten und (je nach Netzwerk) zusätzliche Städtepartner zu akquirieren bzw. die Partnerschaft zu konsolidieren. Wird der dann eingereichte endgültige Antrag genehmigt, folgt eine 24-monatige Laufzeit zur Umsetzung der Aktivitäten.

DV ist nationale URBACT Informationsstelle für Deutschland und Österreich

Bei der Kommunikation sind die Nationalen URBACT-Informationsstellen („National URBACT Points“) ein wichtiger Ansprechpartner. Der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V. übernimmt diese Rolle für Deutschland und Österreich. Er arbeitet dabei mit der Geschäftsstelle der Österreichischen Raumordnungskonferenz zusammen, die der Ansprechpartner für österreichische Städte ist. Dies geschieht in Abstimmung mit dem URBACT-Sekretariat, dem deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und dem Bundeskanzleramt Österreich. Die Informationsstelle kommuniziert neue Projektaufrufe, berät zu Fragen der Antragstellung, organisiert Informationsveranstaltungen und trägt die Ergebnisse aus den URBACT-Projekten an die Fachöffentlichkeit.

Informatiosnveranstaltung zum URBACT Förderprogramm für eine integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung

Zeitraum: 14.09.2016 – 15.09.2016
Ort: Hannover
Land: Deutschland

Im Rahmen des Bundeskongresses Nationale Stadtentwicklungspolitik veranstaltet die nationale URBACT Informationsstelle für Deutschland und Österreich im Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung eine halbtägige Informations-Veranstaltung zum URBACT-Programm. Interessierte haben Gelegenheit, sich über das URBACT-Programm für nachhaltige Stadtentwicklung zu informieren und zu vernetzen.

 

Nachhaltigkeit wird regional verankert – Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) starten

Immer mehr Menschen in Deutschland setzen sich für Nachhaltigkeit ein. Allerdings oft, ohne zu wissen, was andere zu dem Thema machen. Jetzt sollen vier regionale Stellen die Zivilgesellschaft bei ihren Aktionen besser vernetzen.

Künftig sollen sich Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Sachen Nachhaltigkeit besser vernetzen. Die Arbeit koordinieren werden „Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien“, kurz RENN – jetzt ist bekannt, bei welchen Organsiationen sie angesiedelt werden.

Alle vier RENN sind an bestehende, gemeinnützige Organisationen angedockt, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Die Länder haben die Einrichtungen vorgeschlagen, der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat ihre Konzepte auf Basis verschiedener Kriterien bewertet und nun erklärt, wo welche Stelle angesiedelt werden soll, nämlich:

RENN West bei der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V, Bonn, RENN Nord bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband Hamburg e.V. in Hamburg, RENN Süd beim Nachhaltigkeitsbüro der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg in Karlsruhe und RENN Mitte beim Verein Zukunftsfähiges Thüringen e.V. in Arnstadt. Der Vergabeprozess ist damit eingeleitet, über die vorgelegten Förderanträge wird das Bundeskanzleramt voraussichtlich im Sommer entscheiden.

Zehn Millionen Euro Förderung

Die vier RENN sollen, so hat der Bundestag bereits entschieden, über eine Dauer von 5 Jahren mit insgesamt zehn Millionen Euro gefördert werden. Im September werden die RENN voraussichtlich starten. Sie werden dann vor allem daran arbeiten, das Engagement der Zivilgesellschaft über die Grenzen der Bundesländer hinweg besser mit der Politik zu verzahnen.

„Wir müssen die Chancen zur Stärkung des Nachhaltigkeitsgedankens wie auch die Bereitschaft, selbst etwas zu tun – die ich als sehr wertvoll einschätze –, nicht nur erkennen, sondern auch wirklich nutzen“, so Merkel. Unterstützt werden die RENN von einer Leitstelle beim RNE. Sie wird den regionalen Aktivitäten auch bundespolitisch Gehör verschaffen.

Die Netzstellen sollen vor allem daran arbeiten, das Engagement der Zivilgesellschaft besser mit der Politik zu koordinieren, über die Grenzen der Bundesländer hinweg. Unterstützung erhalten sie dabei von der RENN-Leitstelle, die beim RNE eingerichtet wurde. Sie koordiniert, unterstützt inhaltlich, kümmert sich um eine gemeinsame Außendarstellung und soll den Forderungen und Programmen von Berlin aus bundespolitisch Gehör verschaffen.

Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung, https://www.nachhaltigkeitsrat.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/detailansicht/artikel/nachhaltigkeit-wird-regional-verankert/

Agenda 2030 bei VENRO Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe

Auf dem UN-Gipfel in New York im September 2015 wurde die „2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung“ (Transforming Our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development) von den 193 Mitgliedern der Vereinten Nationen verabschiedet.

Mit Hilfe der Agenda 2030 will die Weltgemeinschaft die globalen Herausforderungen wie Hunger und Armut, Klimawandel und Ressourcenverbrauch bewältigen. Die Agenda ist universell gültig. Der Fokus liegt nicht mehr alleine auf der Entwicklung von Ländern im globalen Süden. Auch in Deutschland muss eine umfassende Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft eingeleitet werden. Kern der neuen Agenda sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG). Zu diesen zählen, bis 2030 weltweit den Hunger zu überwinden, die extreme Armut zu beseitigen, menschenwürdige Arbeit sowie nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu schaffen.

Die VENRO-AG Agenda 2030 will den Prozess der Umsetzung der Agenda 2030 begleiten und die zivilgesellschaftliche Beteiligung daran sichern. Auf nationaler Ebene kann die nationale Nachhaltigkeitsstrategie (NHS) ein zentrales Instrument zur Umsetzung sein. Auf internationaler Ebene liegen die Schwerpunkte beim Hochrangigen Politischen Forum zu nachhaltiger Entwicklung (High-Level Political Forum on Sustainable Development, HLPF) der Vereinten Nationen und den globalen Indikatoren zur Messung der SDG.

Deutsches Habitat Forum : Berliner Empfehlungen für die Städte von morgen

Am 1. und 2. Juni 2016 fand in Berlin das Deutsche Habitat Forum mit knapp 1.000 Teilnehmern aus 74 Ländern statt. Ergebnis der Diskussionen der zahlreichen Akteure sind die „Berliner Empfehlungen für die Städte von morgen“. Diese Empfehlungen sollen in die laufenden Verhandlungen zur New Urban Agenda einfließen, die beim dritten VN-Weltgipfel zu Wohnraum und nachhaltiger Stadtentwicklung (Habitat III) im Oktober 2016 in Quito/Ecuador verabschiedet werden soll.

Unsere Vision ist es, dass Städte

  • angemessene Lebensqualität für alle Menschen sicherstellen
  • zum Wohlstand aller Menschen beitragen,
  • eine Führungsrolle bei der Schaffung einer nachhaltigen Welt mit geringen CO2-Emissionen übernehmen, und
  • die Verbindung zwischen Städten und ländlichen Gebieten stärken und Ernährungssicherheit fördern.

Die New Urban Agenda stellt für die Mitgliedstaaten und Kommunen eine einzigartige Gelegenheit dar, gemeinsam einen handlungsorientierten Plan für die Erreichung der Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und des Übereinkommens von Paris zu entwickeln.

Die Umsetzung dieser globalen Abkommen erfordert vielfältige Maßnahmen, die in den Städten und durch Städte umgesetzt werden müssen.

Die New Urban Agenda bietet einen Mehrwert zu diesen Abkommen, da durch sie die notwendigen politischen Maßnahmen auf nationaler und lokaler Ebene in Gang bringt und die erforderlichen Rahmenbedingungen für Städte geschaffen werden. Das Deutsche Habitat Forum hat die folgenden sechs Handlungsschwerpunkte festgelegt:

  1. Städte als Akteure stärken, um die Ziele der Agenda 2030 und des Übereinkommens von Paris zu erreichen,
  2.  Transformative Ansätze für nachhaltige Stadtentwicklung auf den Weg bringen,
  3. Günstige institutionelle, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für Städte fördern,
  4. Möglichkeiten für Mitgestaltung schaffen und Umsetzungspartnerschaften
    initiieren,
  5. Im Nachfolgeprozess der New Urban Agenda den Schwerpunkt auf Politikdialog und Lernprozesse legen, und
  6. Den Städten in der globalen Governance-Architektur mehr Mitspracherecht geben.

Unsere Vision

Städte stellen angemessene Lebensqualität für alle Menschen sicher

• Städte sind sozial und räumlich fair und geschlechtergerecht zu gestalten, damit keine Menschen und Räume übergangen werden. Hierfür sind eine ausgewogene Landnutzungsplanung und ausgewogenes Landmanagement erforderlich; zudem müssen Anstrengungen unternommen werden, um Armut zu bekämpfen und allen Menschen den Zugang zu bezahlbarem und menschenwürdigem Wohnraum, Bildung, Beschäftigungsmöglichkeiten, einer gesunden Umwelt sowie grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen, beispielsweise in den Bereichen Energie, Verkehr, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Gesundheitsdienstleistungen und Abfallbeseitigung, zu ermöglichen. Dies beinhaltet auch die Achtung der geltenden Menschenrechtsstandards, wie sie im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte verankert sind, was auch einen angemessenen Lebensstandard umfasst, einschließlich des Rechts auf Wohnraum. Städte sollten jeder Form der sozialen und räumlichen Segregation, Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenwirken, insbesondere, jedoch nicht ausschließlich, in informellen Siedlungen und einkommensschwachen Stadtvierteln.

• Städte sollten den Menschen in den Mittelpunkt stellen und inklusiv sein, Geschlechter-gerechtigkeit fördern und herstellen sowie kulturelle Vielfalt ermöglichen, auch in Bezug auf unterschiedliche Glaubensrichtungen und Sprachen. Sie sollten außerdem für alle Menschen sicher und lebenswert sein und die Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihrem rechtlichen und wirtschaftlichen Status, in das Stadtleben fördern. Um dies zu erreichen, bedarf es gestärkter, inklusiver und rechenschaftspflichtiger lokaler Behörden, die alle relevanten Akteure in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbinden. Den Menschen sollte die Möglichkeit gegeben werden – beispielsweise durch Startfinanzierungen und die Beseitigung rechtlicher Hürden – selbst aktiv zu werden und Veränderungen voranzutreiben.

• Städte sollten ein Zugehörigkeitsgefühl („Heimat“) sowie kulturelle Vielfalt fördern, da dies Kreativität freisetzt und identitätsstiftend wirkt. Städte sollten materielle und immaterielle Kulturgüter schützen, einschließlich der Kulturgüter des informellen und traditionellen Bereichs. Der öffentliche Raum spielt eine zentrale Rolle, um den Ausdruck kultureller Eigenart zu ermöglichen und Nischen für unterschiedliche Nutzergruppen zu schaffen. Die New Urban Agenda muss eine ortsbasierte Stadtentwicklung in den Fokus stellen, die bei den in den Städten lebenden Menschen und Gemeinden verwurzelt ist und von diesen gestaltet wird.

• Städte sehen sich der Herausforderung gegenüber, eine zunehmende Anzahl von Migranten, Binnenvertriebenen und Flüchtlingen aufzunehmen. Diese verdienen es, angemessen empfangen zu werden und ein menschenwürdiges Leben in den Aufnahme-gemeinden führen zu können, was auch Zukunftsperspektiven über die alltäglichen Bedürfnisse hinaus sowie Rechte für Einwohner der Stadt beinhaltet. Dies erfordert, dass die Aufnahmegemeinden einen kontinuierlichen Dialog mit Neuankömmlingen führen und auf diese zugehen. Zudem erfordert es modulare und flexible Ansätze, beispielsweise in Bezug auf Flächennutzungspläne und Szenarioplanung.

• Innovationsträger und Pioniere vor Ort arbeiten gemeinsam daran, die bei allen städtischen Themen – von Klimawandel bis Stadtplanung, von Sicherheit bis Stadtmanagement und -verwaltung – vorherrschenden Geschlechterunterschiede zu beseitigen und entwickeln Strategien und gute Praktiken, auf denen aufgebaut werden kann. Frauen müssen noch weiter als Akteure gestärkt werden, die eine nachhaltige Stadtentwicklung vorantreiben können, indem ihre Beteiligung an Politik, Planung und Haushaltsprozessen gefördert wird; zudem sind die Rechenschaftspflicht der Behörden gegenüber Frauen und die Verfügbarkeit von Kenntnissen und wesentlichen Informationen, die für die Erfüllung der Bedürfnisse von Frauen entscheidend sind, zu stärken. Die New Urban Agenda hat das Potenzial, neue ehrgeizige globale Standards für Frauen und Mädchen – in all ihrer Vielfalt – zu setzen und ihre aktive Beteiligung in allen Phasen der Stadtentwicklung und in allen Governance-Prozessen zu fördern.

Städte tragen zum Wohlstand aller bei

• Gut geführte Städte sind Motoren für wirtschaftliches Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung. Städte sollten sicherstellen, dass wirtschaftliches Wachstum sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig ist und allen Menschen zugutekommt und dass dieses Wachstum nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion, Kreislaufwirtschaft, Shared-Economy-Modelle und Ressourceneffizienz fördert. Dies setzt angemessene Arbeitsbedingungen und nachhaltige Lieferketten sowie adäquate Finanzdienstleistungen vor Ort voraus. Darüber hinaus bietet der informelle Sektor in vielen Städten unverzichtbare Einkommensquellen für Stadtbewohner. Daher sind stadtpolitische Konzepte und Maßnahmen erforderlich, die bessere Bedingungen sowohl für den formellen als auch für den informellen Sektor schaffen, um für Einkommenssicherheit und soziale Sicherheit zu sorgen.

• Technologie und Innovation sollten zu wesentlichen Motoren der städtischen Transformation in Bereichen wie Energie, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, Verkehr und Bauwesen werden. Innovationen in diesen Bereichen schließen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie den Einsatz erneuerbarer Energien ein, gehen jedoch auch darüber hinaus. Städte sollten mit Wissenschaft, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeiten, um technologische und soziale Innovationen und Verhaltensänderungen zu fördern und zu nutzen. Sie sollten außerdem umweltfreundliche Technologien durch umweltbewusste öffentliche Beschaffung und verbesserte Konditionen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen fördern. Das Konzept der “Smart City” ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument für nachhaltige und inklusive Stadtentwicklung. Digitale Lösungen sollten somit dem öffentlichen Interesse dienen. Städte übernehmen eine Führungsrolle bei der Schaffung einer nachhaltigen Welt mit geringen CO 2 -Emissionen

• Der Klimawandel ist eine besonders drängende Bedrohung für Städte in Industrie- und Entwicklungsländern, insbesondere in anfälligen und risikogefährdeten informellen und einkommensschwachen Siedlungen und in Küstengebieten. Die Entwicklung kohlenstoff-armer und widerstandsfähiger Städte, einschließlich eines vorausschauenden
Katastrophenrisikomanagements, ist wesentlich für nachhaltige Entwicklung. Sowohl die Anpassung an Klimaveränderungen als auch die Abschwächung des Klimawandels müssen in Planungsprozesse und politische Maßnahmen aufgenommen und durchgängig verankert werden. Dies umfasst insbesondere die Bereiche Verkehr und Mobilität, Wasser, Abfall, Energie, Bau- und Wohnungswesen, Industrie und Landnutzungspraktiken.

• Die Erhaltung, Stärkung und Wiederherstellung von städtischen Ökosystemen, Gewässern und Grünräumen/Grünflächen in und in der Umgebung von Städten, die als natürliche Kohlenstoffsenken dienen und zur Verringerung von Treibhausgasemissionen beitragen, ist von zentraler Bedeutung.

• Würde der in den kommenden Jahrzehnten entstehende Wohnraum- und Infrastruktur-bedarf mit heutigen Baumaterialien und -technologien gedeckt, würde dies die
ökologischen Belastungsgrenzen der Erde überschreiten. Es bedarf eines grundlegenden Wandels in der Architektur, im Bauwesen sowie in der Entwicklung und (Wieder-) Verwendung von Baumaterialien. Insbesondere müssen Energie- und Ressourceneffizienz gesteigert und kohlenstoffintensive Baumaterialien ersetzt werden.

• Städte und nationale Regierungen sollten Politiken für nachhaltige städtische Mobilität entwickeln, mit denen ein allgemeiner, geschlechtergerechter Zugang zu sicheren, sauberen und bezahlbaren Verkehrsmitteln für alle Menschen sichergestellt wird. Die Umgestaltung und Dekarbonisierung städtischer Verkehrssysteme wird durch einen optimierten Mix der Verkehrsträger in städtischen Mobilitätsnetzen und durch kompakte städtische Strukturen mit Mischnutzung geschaffen, die Ökomobilität, wie beispielsweise die Fortbewegung mit dem Rad oder zu Fuß, die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen („Shared Mobility“) und Elektromobilität sowie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, begünstigen. Ökomobilität ist von wesentlicher Bedeutung für die Lebensqualität, die Minderung von Treibhausgasemissionen, die Herstellung sozialer Gerechtigkeit, die Verbesserung der Luftqualität und der öffentlichen Gesundheit sowie für die Stärkung der lokalen Wirtschaft. Städte stärken die Verbindungen zwischen ländlichen und städtischen Gebieten und tragen zur Ernährungssicherung bei

• Städte sind mit komplexen Herausforderungen konfrontiert und zunehmend eng mit Stadtrand- und ländlichen Gebieten verbunden. Daher bedarf es eines integrierten Ansatzes für urbane und territoriale Entwicklung, der die Vielzahl an wechselseitigen Strömen zwischen ländlichen und städtischen Gebieten widerspiegelt und eine sektorübergreifende Koordination und Kooperation zwischen Städten und innerhalb von bzw. zwischen Gebieten fördert. Dies bedeutet, dass Entwicklung sowohl in Städten als auch im ländlichen (Um)Land gefördert werden muss.
• Die Stärkung der Verbindungen zwischen Land und Stadt ist von zentraler Bedeutung, um Ernährungssicherheit, ländliche Entwicklung und eine gerechte Ressourcenverteilung zu fördern. Ernährung und Landwirtschaft, insbesondere kleinbäuerliche Landwirtschaft, müssen als wesentliche Elemente in integrierte Raumentwicklungsstrategien einfließen. Landspekulationsprozesse sollten reguliert werden, um negative Auswirkungen auf landwirtschaftliche Produktion, Ökosysteme und Erholungsgebiete zu vermeiden. Effiziente und verlässliche Liefer- und Wertschöpfungsketten müssen gestärkt und Verluste und Verschwendung von Nahrungsmitteln minimiert werden.


Die sechs Handlungsschwerpunkte

1. Städte als Akteure stärken, um die Ziele der Agenda 2030 und des Übereinkommens von Paris zu erreichen

• Die Frage, ob die Transformation der Welt hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingt, wird in den Städten entschieden. Die New Urban Agenda sollte die dreifache Funktion der Städte in der Förderung der nachhaltigen Entwicklung anerkennen. Städte sind Räume, in denen viele unterschiedliche Akteure gemeinsam die Städte der Zukunft gestalten, schaffen und aushandeln. Städte sind Orte, an denen Maßnahmen und Handlungen für – oder gegen -– nachhaltige und inklusive Entwicklung konkret werden und Gestalt annehmen. Städte sind Akteure, die in Bezug auf lokale, nationale und globale Governance, nachhaltige Entwicklung und globale Partnerschaften eine zentrale Rolle spielen.
• Städte sind nicht nur lokale, sondern auch globale Akteure. Sie sind von grundlegender Bedeutung für nachhaltige Entwicklung sowie für den Schutz globaler öffentlicher Güter wie beispielsweise der Ökosysteme, des Klimas, des wirtschaftlichen Wohlstands, der sozialen Integration, der Demokratisierung sowie politischer Stabilität. Dieses Verständnis der Rolle der Städte verlangt nach einer Neugestaltung der politischen Antworten und nach wirklich transformativen Maßnahmen, die die Art und Weise, wie wir Städte nutzen, bauen und verwalten bzw. steuern, grundlegend verändern.

2. Transformative Ansätze für nachhaltige Stadtentwicklung auf den Weg bringen

• Die Entscheidungen, die heute von Städten getroffen werden, begründen Pfadabhängigkeiten, die noch über Jahrzehnte nachwirken werden. Für nachhaltige Stadtentwicklung sind also transformative Maßnahmen erforderlich, die grundlegende Veränderungen von Strukturen, Organisationen und Verhaltensweisen befördern. Die New Urban Agenda muss daher lokale und nationale Regierungen motivieren, sich in einen Beratungsprozess einzubringen, der zu ehrgeizigen, lokal angemessenen, kohärenten und langfristigen Politiken und Maßnahmen führt. Zudem muss die New Urban Agenda Initiativen fördern, die von der Bevölkerung ausgehen, und das Innovationspotenzial der
Zivilgesellschaft nutzen.

• Priorität müssen Politikoptionen und Programmansätze mit der stärksten Hebelwirkung auf lokale, nationale und globale Stadtsysteme haben. Solche transformativen Maßnahmen sollten
• keinen Menschen und keinen Raum zurücklassen,
• für sozialen Zusammenhalt sorgen,
• kohlenstoffarm sein und Resilienz stärken,
• den informellen Sektor einbeziehen und zur Mitgestaltung anregen,
• ausgewogenes Wirtschaftswachstum fördern,
• nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum begünstigen, und
• ein gesundes Umfeld und gesunde Lebensweisen unterstützen.
• Transformatives Stadtmanagement braucht eine auf Tatsachen gründende Politik.

Die Kapazitäten der Kommunen in Bezug auf die Erhebung, Analyse, Auswertung und Verwendung lokaler Daten müssen daher gestärkt und in Politikansätze im Sinne von Open Data (freie Nutz- und Verfügbarkeit von Daten) und Open Government (Öffnung von Regierung und Verwaltung gegenüber der Bevölkerung und der Wirtschaft durch Nutzung moderner Technologien) eingebunden werden. Eine solche evidenzbasierte Politik sollte auf der Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden und Praktikern und Forschern, die sich mit dem Thema Stadt befassen, aufbauen. Wir müssen den Schritt von Beteiligung hin zu gemeinsamer Gestaltung gehen.

3. Günstige institutionelle, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für Städte fördern

• Die Vielfalt und Eigenart politischer Systeme in den einzelnen Ländern erfordert institutionelle Rahmenbedingungen für Städte, die an den jeweiligen lokalen Kontext angepasst sind. Aufbauend auf dem Subsidiaritätsprinzip sollten diese Rahmenbedingungen effektive Mechanismen fördern, durch die Verantwortlichkeiten auf diejenige Ebene übertragen werden, die den Bürgern am nächsten ist, und lokale Akteure stärken. Gleichzeitig sind die lokalen Akteure gefordert, Verantwortung zu übernehmen und sich für das lokale, nationale und globale Gemeinwohl einzusetzen.

• Für die Umsetzung der New Urban Agenda sind ausreichende Kapazitäten auf allen Regierungsebenen, insbesondere auf kommunaler Ebene, erforderlich. Die New Urban Agenda sollte daher vor Ort entwickelte Programme des Kapazitätsaufbaus fördern, mit Unterstützung internationaler „Peer Learning“-Netzwerke und Entwicklungsorganisationen, wo dies sinnvoll ist.

• Städte benötigen verlässliche Einnahmen aus verschiedenen Quellen sowie angemessene Kapazitäten für Finanzmanagement, um Mittel aus öffentlichen und privaten Quellen (einschließlich Schuldenfinanzierung) effektiv, effizient, nachhaltig und in entwicklungs- und bürgerorientierter Weise zu nutzen. Angemessene und verlässliche Einnahmen müssen durch die Mobilisierung von Ressourcen im Land sowie steuerliche Dezentralisierung erzielt werden, unter anderem durch Geldtransfers der nationalen Ebene, die den Funktionen und Aufgaben von Städten und Kommunen Rechnung tragen. Der direkte Zugang zu globalen Finanzierungsmechanismen muss verbessert werden. Durch die New Urban Agenda sollten zudem multilaterale und nationale Entwicklungsbanken angeregt werden, schlagkräftige städtische Investitionsprogramme auf den Weg zu bringen.

• Da die Stadtgrenzen zunehmend verschwimmen, müssen Governance-Strukturen und Stadtentwicklungsstrategien das funktionale Stadtgebiet widerspiegeln. Die New Urban Agenda muss Städte als komplexe Akteure anerkennen, nicht nur als Kommunen oder klar abgegrenzte Stadtgebiete.

4. Möglichkeiten für Mitgestaltung schaffen und Umsetzungspartnerschaften initiieren

• Multi-Stakeholder-Partnerschaften sind wesentliche Motoren der Transformation in Städten und sind notwendig, um alle Elemente der New Urban Agenda umzusetzen. Durch solche Partnerschaften können Erfahrungen, Technologien und finanzielle Ressourcen vieler unterschiedlicher Akteure für nachhaltige Stadtentwicklung genutzt werden. Ein neuer Partnerschaftsansatz ist Voraussetzung, um innovative, radikale und ungewöhnliche städtische Lösungen sondieren und entwickeln zu können.

• Die New Urban Agenda sollte zur freiwilligen Selbstverpflichtung anregen, um die Umsetzung zu unterstützen, und Kriterien für die Sicherstellung von Transparenz und Rechenschaftspflicht benennen. Interessierte Akteure sollten eingeladen werden, „globale Partnerschaftsinitiativen für Städte“ zu gestalten und auf den Weg zu bringen. Solche globalen Partnerschaftsinitiativen für Städte sollten Themen aufgreifen, die für die erfolgreiche Umsetzung der New Urban Agenda von wesentlicher Bedeutung sind, wie beispielsweise nationale Stadtentwicklungspolitiken, städtische Finanzierung, integriertes Stadtmanagement und Kapazitätsentwicklung.

• Nachhaltige Stadtentwicklung erfordert während aller Phasen des Planungs- und Entscheidungsfindungsprozesses einen Mehrebenenansatz, der auf Beteiligung basiert und gemeinschaftlich gestaltet wird. Wir brauchen ein neues Verständnis von Stakeholder-Einbeziehung, das alle Stadtbewohner, sowohl formelle als auch informelle, als an der Planung und Gestaltung der Stadt beteiligte Akteure anerkennt. Die New Urban Agenda sollte Richtlinien festlegen, um ein aktives Bürgerengagement, partizipative Planung und Entscheidungsfindung sowie ein an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtetes und von Rechenschaftspflicht getragenes Stadtmanagement als zentrales Element von Good Governance zu fördern, zu stärken und zu institutionalisieren.

5. Im Nachfolgeprozess zur New Urban Agenda den Schwerpunkt auf Politikdialog und Lernprozesse legen

• Ein wirksamer Nachfolge- und Überprüfungsprozess zur New Urban Agenda ist von grundlegender Bedeutung, um das Engagement und die Einbindung der Akteure auch langfristig aufrechtzuerhalten und gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen. Der Nachfolge- und Überprüfungsprozess dient drei Zielen. Das erste Ziel besteht darin, die Umsetzung der städtischen Dimension der Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) auf Grundlage der bestehenden SDG-Indikatoren zu überwachen. Das zweite Ziel ist die Bewertung der Fortschritte auf dem Weg zu transformativem Wandel anhand qualitativer und quantitativer Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Die qualitativen Informationen sollten die Stimmen der Stadtbewohner sowie die von ihnen gewonnenen Informationen aufnehmen. Als drittes Ziel soll eine Bewertung erfolgen, inwieweit eine Verbesserung in Bezug auf günstige Rahmenbedingungen für Städte erzielt wurde. Hierbei sind auch die Bewertungen und Rückmeldungen der Kommunen zu berücksichtigen.

• Der Nachfolge- und Überprüfungsprozess sollte Möglichkeiten für inklusive Dialoge schaffen, die zum einem schnellen Lernen seitens der Entscheidungsträger und Praktiker in den Städten beitragen Im Rahmen des Prozesses sollte, sofern vorhanden, auf bestehenden Plattformen und Foren aufgebaut werden, und es sollten, wenn erforderlich, neue Plattformen und Foren ins Leben gerufen werden.

6. Den Städten in der globalen Governance-Architektur mehr Mitspracherecht geben

• Das transformative Potenzial der Städte für den Schutz globaler öffentlicher Güter sollte durch eine intensivere Einbindung von Kommunen und städtischen Akteuren in die globale Governance-Architektur genutzt werden. Kommunen und städtische Akteure sollten eine konkrete Rolle in der Gestaltung, Umsetzung und Nachverfolgung der internationalen Politiken zu nachhaltiger Stadtentwicklung übernehmen.

• Habitat III wird der Ausgangspunkt für konstruktive Diskussionen zur institutionellen Architektur für globales Stadtmanagement sein, um die Umsetzung der New Urban Agenda zu unterstützen. Ein verstärktes Engagement der Vereinten Nationen und bessere Koordination zwischen den einzelnen VN-Organisationen wird zudem von zentraler Bedeutung sein, um die koordinierte und konsequente Umsetzung der New Urban Agenda voranzutreiben. Dies ist eine längerfristige Diskussion, im Rahmen derer auch die zukünftige Rolle von VN-Habitat beleuchtet werden muss.

Link zum Dokument: http://www.german-habitat-forum.de/assets/berliner-empfehlungen_de.pdf

Positionspapier zivilgesellschaftlicher Organisationen zur 2030-Agenda

Die globale 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung in und durch Deutschland umsetzen!

In einem aktuellen Positionspapier beziehen deutsche zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter das Eine Welt Netzwerk Hamburg, gemeinsam Stellung zur Umsetzung der 2030-Agenda in und durch Deutschland.

Die globale Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDG – Sustainable Development Goals) gilt es nach 2015 auch in und durch Deutschland umzusetzen. Aus unserer Sicht brauchen wir dafür in zentralen politischen Handlungsfeldern grundlegend andere Weichenstellungen als bisher. Deutschland muss sich seiner Verantwortung für nachhaltige Entwicklung stellen und die 2030-Agenda im Sinne ihrer fünf Prinzipien (Menschen, Planet, Wohlstand, Frieden, Partnerschaft) umsetzen.

Umfassender Umsetzungsplan und leistungsfähige Strukturen für die 2030-Agenda

Wir fordern die Bundesregierung auf, zur Umsetzung der 2030-Agenda in und durch Deutschland einen umfassenden und  verbindlichen  nationalen  Umsetzungsplan  zu  erstellen. Dieser sollte die zu überarbeitende Nationale Nachhaltigkeitsstrategie umfassen, muss jedoch deutlich darüber hinausgehen, mit der Zivilgesellschaft diskutiert und vom Bundestag beraten und beschlossen werden.

Das Papier ist ein Spiegelbild von Positionen, die in der deutschen Zivilgesellschaft zu den SDGs vertreten werden. Es ist in Deutsch und Englisch verfügbar.

Positionspapier: Die Umsetzung der globalen 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung, März 2016

Position Paper: Implementation of the Global 2030 Agenda for Sustainable Development in and by Germany, March 2016

Universität Hamburg und Helmholtz-Zentrum Geesthacht gründen Helmholtz-Institut „Climate Service Science“ (HICSS)

Strategischer Ausbau der Klimaforschung

Hamburg, 19. Juli 2016 (UHH) – Die Universität Hamburg und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material und Küstenforschung (HZG) mit seinem Climate Service Center Germany (GERICS) wollen ihre Zusammenarbeit bei der wissenschaftlichen Forschung zum „Climate Service“ erweitern. Sie haben deshalb die Gründung eines Helmholtz-Instituts „Climate Service Science“ (HICSS) vereinbart, um künftig in diesem Gebiet in Forschung, Nachwuchsförderung sowie Wissens- und Technologietransfer intensiver zu kooperieren.

Das HICSS wird die Klima- und Klimafolgenforschung am Standort Hamburg ergänzen und Themen aufgreifen, die sowohl im Exzellenzcluster „Integrated Climate System Analysis and Prediction“ (CliSAP) als auch im Rahmen des Klima Campus bisher nicht bearbeitet werden. Die vorgesehenen Forschungsfelder „Vom Wissen zum Handeln“, „Modellierung komplexer Systeme“ und „Bewertung von Erkenntnissen in der Klima- und Erdsystemforschung“ kombinieren Grundlagenforschung mit Anwendungsorientierung. Sie sollen dazu beitragen, ein vertieftes Verständnis der Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels zu gewinnen. Ziel ist, die Wissensgrundlage für Entscheidungen zur Sicherung der Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen bereitzustellen und die wirtschaftliche, industrielle und politische Planung zu unterstützen.

Der Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen: „Die Universität Hamburg und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht werden in zwei neuen Institutionen zusammenarbeiten. Eins verfolgt einen spezifischen Forschungszweck im Rahmen der Klimaforschung, das zweite wird eine Unterstützungsstruktur für wissenschaftlichen Nachwuchs, Forschung und die Generierung neuer Ideen in der Zusammenarbeit aufbauen. Das erste wird unter dem Namen HICSS gegründet, das nächste folgt. Die Verwirklichung dieser Doppelstruktur, die bereits mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY erfolgreich erprobt wurde, belegt ein weiteres Mal die fruchtbare, enge Verflechtung der Universität mit ihren außeruniversitären Partnern. Ich wünsche dem Unternehmen viel Erfolg.“

Der wissenschaftliche Vorstand des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, Prof. Dr. Wolfgang Kaysser: „Das HICSS wird ein wichtiger zusätzlicher Baustein für die Klima- und Klimafolgenforschung in Hamburg und für das Climate Service Center Germany GERICS sein, die beide bereits jetzt internationales Renommee genießen. Climate Service Science ist ein neues wissenschaftliches Themenfeld mit hoher Komplexität, in dem sich viele wissenschaftliche Disziplinen mit sozial-, natur- und ingenieurswissenschaftlichen Komponenten gegenseitig stark beeinflussen.“

Das HICSS wird eine nicht rechtsfähige Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Der Vorstand besteht aus je zwei leitenden Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern der Universität Hamburg und des Helmholtz-Zentrums. Finanziert wird das HICSS aus Mitteln des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Darüber hinaus sollen Drittmittel eingeworben werden.

Helmholtz-Institute sind strategische Partnerschaften zwischen Helmholtz-Zentren und Universitäten auf spezifischen Forschungsfeldern, die für beide Institutionen besonderes Gewicht haben. Zurzeit bestehen bundesweit sieben Helmholtz-Institute, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universitäten und Helmholtz-Zentren in der Forschung, der Nachwuchsförderung oder bei der gemeinsamen Nutzung von Infrastrukturen kooperieren.

Link zur Pressemitteilung: http://www.uni-hamburg.de/presse/pressemitteilungen/2016/pm62.html

BMZ und Deutscher Städtetag zu kommunaler Entwicklungszusammenarbeit: Strukturen auf lokaler Ebene unterstützen

Starke Städte tragen zu Stabilisierung in Krisenregionen bei

Starke Städte mit selbstverwalteten Strukturen erweisen sich bei der weltweiten Urbanisierung als Motoren für eine stabile und nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung in ihren Staaten. Vor diesem Hintergrund werden das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutsche Städtetag ihre Zusammenarbeit ausbauen. Ziel der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit von deutschen Städten mit Partnerregionen sei es, stabile Strukturen auf lokaler Ebene zu stärken. Das machten Bundesminister Dr. Gerd Müller und Städtetagspräsidentin Dr. Eva Lohse, Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen, in einer Präsidiumssitzung des kommunalen Spitzenverbandes heute in Berlin deutlich.

Bundesentwicklungsminister Müller: „Deutsche Kommunen können alles, was Städte in Schwellen- und Entwicklungsländern brauchen: Verwaltung organisieren, Krankenhäuser betreiben, Trinkwasser aufbereiten, Abfall entsorgen, Abwasser klären. Hier können echte Win-Win-Partnerschaften entstehen. Schon heute engagieren sich über 400 Kommunen. Wir wollen daraus 1.000 Partnerschaften machen. So übernehmen deutsche Städte mit ihrem lokalen Wissen globale Verantwortung – gerade auch in Ländern, die viele Flüchtlinge beherbergen, oder in Regionen wie im Nordirak, in denen jetzt der Wiederaufbau organisiert werden muss.“

Derzeit sind bereits 465 deutsche Kommunen in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv, darunter zahlreiche Mitgliedsstädte des Deutschen Städtetages. Städtetagspräsidentin Lohse betonte: „Starke Städte mit selbstverwalteten Strukturen sind eine Voraussetzung für eine stabile und nachhaltige Entwicklung von Gesellschaften. Auch die deutschen Städte können und wollen dazu beitragen, solche Strukturen in den Entwicklungs- und Transformationsländern zu schaffen. Langfristiges Ziel ist dabei, die Zukunftsperspektiven für die Menschen vor Ort zu verbessern. Viele deutsche Städte übernehmen bereits heute Verantwortung, um eine zukunftsfähige globale Entwicklung zu fördern. Städte sind wichtige Akteure für eine weltweite nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung. Sie engagieren sich bei der Armutsbekämpfung, Gesundheitsförderung, Wasserversorgung, dem Klimaschutz oder der fairen Beschaffung. Dabei geht es um eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, bei der beide Partner voneinander lernen und sich weiterentwickeln können.“

Viele Städte haben bereits langjährige Erfahrungen mit traditionellen Städtepartnerschaften und zunehmend auch mit Projektpartnerschaften. Diese intensiven Kontakte und Beziehungen von lokalen Partnern können auch für die Entwicklungszusammenarbeit fruchtbar gemacht werden. Dies zeigt sich aktuell zum Beispiel in den deutsch-türkischen Städtepartnerschaften, die Teil eines schnell aktivierbaren und verlässlichen Netzwerkes sein können, um die Türkei als Syrien-Anrainerstaat zu unterstützen.

Die Zusammenarbeit der deutschen Kommunen mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und seinen Programmen hat sich bisher gut entwickelt. Um das Engagement der Kommunen für Entwicklungszusammenarbeit weiter zu stärken und die Interessen beider Partner in zielgerichtete Programme umzusetzen, sei im Vorfeld eine genaue Analyse des jeweiligen Bedarfs an kommunaler Zusammenarbeit in den Einsatzgebieten nötig, stellten das Bundesministerium und der Deutsche Städtetag übereinstimmend fest.

Im Folgenden werden beispielhaft Programme beschrieben, in denen deutsche Kommunen bereits aktiv sind:

  • Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) bietet insgesamt 17 Programme für Kommunen an, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit beteiligen, von der Initiative „Kommunales Know-how für Nahost“ und „Partnerschaften mit der Ukraine“ über den neuaufgelegten „Kleinprojektefonds für Newcomer“, die Partnerschaften aufbauen möchten, bis hin zum „Netzwerk faire Beschaffung“.
  • An dem Programm Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte (Nakopa) beteiligen sich 38 deutsche Kommunen. Hier werden kommunale Partnerschaftsprojekte deutscher Kommunen unterstützt. Bezuschusst werden entwicklungspolitische Projekte mit dem Schwerpunkt der nachhaltigen Daseinsvorsorge, guter Regierungsführung, dem Klimaschutz und Klimaanpassung in einem Partnerland.
  • Das Projekt Kommunale Klimapartnerschaften zählt rund 50 kommunale Klimapartnerschaften. Grundidee ist es, die fachliche Zusammenarbeit deutscher Städte mit Kommunen im globalen Süden in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu stärken.
  • Connective Cities ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Städtetages mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Engagement Global. Rund 400 Kommunalexperten haben weltweit an 15 Dialogveranstaltungen teilgenommen. Connective Cities initiiert weltweite Dialogveranstaltungen und Projektwerkstätten in den Handlungsfeldern „Gute städtische Regierungsführung“, „Integrierte Stadtentwicklung“ und „Lokale Wirtschaftsentwicklung“. Es fördert einen internationalen Wissenstransfer zwischen praxiserprobten Wissensangeboten und anwendungsorientierter Wissensnachfrage.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Nachhaltigkeitsstrategien der Deutschen Länder

  • Baden-Württemberg
    Nachhaltigkeitsstrategie Baden Württemberg – Informationen zu den Projekten Download
  • Brandenburg
    Der Nachhaltigkeitsprozess des Landes Brandenburg Download
    Empfehlungen für die Landesregierung Download
  • Bremen
    Bremen! Lebenswert – urban – vernetzt
    Komm mit nach morgen Download
  • Hamburg
    Hamburger Aktionsplan
    Supplement 2011 Download
  • Hessen
    Nachhaltigkeitsstrategie Hessen Download
  • Niedersachsen
    Umweltgerechter Wohlstand für Generationen
    Nachhaltigkeitsstrategie für Niedersachsen Download
    NIEDERSACHSEN 2020 Perspektiven für ein Land mit Zukunft Download
  • Nordrhein-Westfalen
    Eckpunkte einer Nachhaltigkeitsstrategie für Nordrhein-Westfalen Download, Startegiepapier Download
  • Rheinland-Pfalz
    Nachhaltigkeitsstrategie – Perspektiven für Rheinland-Pfalz Download
  • Sachsen
    Sachsen hat Zukunft – Nachhaltigkeitsstrategie für den Freistaat Sachsen Download
  • Sachsen-Anhalt
    Gemeinsam für eine lebenswerte zukunft – Nachhaltigkeitsstrategie des landes Sachsen-Anhalt Download
  • Schlweswig-Holstein
    Nachhaltigkeitsbericht 2009 Download

Thüringen
Die Thüringer Nachhaltigkeitsstragetie 2011 Download

Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. , http://www.lag21.de/portal/laender.html

German Habitat Forum 2016

Gemeinsam mit dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, hat der Regierende Bürgermeister von Berlin vom 1. bis 2. Juni 2016 zum „German Habitat Forum“ nach Berlin eingeladen. Ziel war es, bereits im Vorfeld eine Austauschplattform zu bieten und Städten so dabei zu helfen, sich aktiv in die Gestaltung der Neuen Urbanen Agenda der Vereinten Nationen einzubringen. An dem Forum nahmen über 1.000 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft teil. Die gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums und des Regierenden Bürgermeisters finden Sie hier. Mehr Informationen zum German Habitat Forum finden Sie online unter german-habitat-forum.de.

Die „Berliner Empfehlungen“, das Abschlussdokument des Forums, können Sie als PDF-Datei hier herunterladen: berliner-empfehlungen_de

Quelle: https://www.berlin.de/rbmskzl/internationales/aktuelles/artikel.485643.php

TUHH Hamburg startet einzigartige Weiterbildung für geflüchtete Ingenieure

Mit der Weiterbildung „integral“ bietet die Technische Universität Hamburg (TUHH) ein in Deutschland einzigartiges Programm für geflüchtete Ingenieure und Ingenieurinnen an. Ziel ist es, Geflüchteten den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Die Pilotphase startet am 1. April 2016. Eine Informationsveranstaltung für Interessenten findet am 10. März 2016 um 16 Uhr an der TUHH statt.
Um geflüchteten Ingenieuren und Ingenieurinnen einen schnellen und zu ihrer Ausbildung passenden Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, entwickelte das TUHH-Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft das Programm „integral“. Fachlich und fachsprachlich werden sie in den Themengebieten Umwelt, Energie und Wasser weitergebildet. „Anhand einer möglichst genauen Analyse der vorhandenen Kenntnisse wollen wir individuelle Lehrpläne erstellen, die auf die Wünsche potentieller Arbeitgeber zugeschnitten sind“, so Professor Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts. So ist auch ein enger Arbeitgeberkontakt durch Messen und Exkursionen ein fester Bestandteil der Weiterbildung. Angestrebt ist, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon während des Programms eine Arbeitsstelle finden.
Das Programm besteht aus den Schwerpunkten fachliche und sprachliche Weiterbildung sowie Arbeitgeberkontakt. In der Weiterbildung werden die fachlichen Kenntnisse mit den Anforderungen möglicher Arbeitgeber verglichen und ein individueller Lehrplan entworfen. In Sprachkursen wird die deutsche Ingenieurssprache vermittelt und zusätzlich durch Sprachtandems gefestigt. Darüber hinaus finden Veranstaltungen zu interkultureller Kompetenz und Arbeitskultur statt. Durch Jobmessen, Exkurse, Bewerbungstrainings und Praktika wird ein enger Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern geschaffen. Das Programm dauert bis zu drei Semester und wird mit einem Zertifikat abgeschlossen.

Teilnahmebedingung ist ein abgeschlossenes Ingenieursstudium (Bachelor oder Master), gute Deutschkenntnisse (Niveau B1/B2) und eine Aufenthaltserlaubnis.

Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen unter www.tuhh.de/iue oder sebastian.timmerberg@tuhh.de. Die Weiterbildung startet zum Wintersemester 2016 mit bis zu 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen und ist kostenfrei. Gesucht sind noch Firmen, die Interesse am Programm haben und im Rahmen dessen Praktika oder Projekte durchführen möchten. Integral wird von der Hamburger Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung gefördert. Siehe auch: www.tuhh.de/iue