Detlef Stammer

Stammer: „Wir brauchen Veränderungen, so umfassend wie die Industrielle Revolution“

Zum UN-Klimagipfel in New York mahnt der Hamburger Klimaforscher Detlef Stammer zu radikalem Forschen und Handeln und lobt die Bewegung „Fridays for Future“.

Vom 21. bis 23. September 2019 hat UN-Generalsekretär António Guterres Politikerinnen und Politiker, aber auch Forschende nach New York eingeladen. „Es wird darum gehen, wie man den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen in den nächsten zehn Jahren um die Hälfte reduzieren kann, denn das ist notwendig, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu beschränken“, erklärt Prof. Dr. Detlef Stammer, der Sprecher des Exzellenzclusters „Climate, Climatic Change, and Society (CliCCS)“ und Direktor des Centrums für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) an der Universität Hamburg ist.

Als Leiter des World Climate Research Programme wird er beim Klimagipfel in New York als Experte für die Klimawissenschaften gehört werden. Die Organisation wurde vor 40 Jahren von der World Meteorological Organization und dem International Council for Science gegründet und koordiniert die internationale Zusammenarbeit in der Klimaforschung.

„Darüber hinaus müssen wir in dreißig Jahren zu einer CO2-neutralen Gesellschaft kommen. Das ist eine Revolution, ebenso umfassend wie die Industrielle Revolution“, erklärt der Ozeanograph. Eine CO2-neutrale Gesellschaft emittiert möglicherweise weiterhin Treibhausgase, entfernt diese aber kontinuierlich wieder aus der Atmosphäre. „Ich glaube, dass wir den Kampf gegen den Klimawandel nicht ohne sogenannte negative Emissionen führen können. Das bedeutet, dass wir das CO2, das wir erzeugt haben, wieder aus der Atmosphäre rausziehen. Man kann es beispielsweise verflüssigen und in den Boden zurückpumpen. Oder man kann sogar in den Energiehaushalt der Erde eingreifen. Dazu müssen wir forschen, und zwar sehr, sehr schnell. Denn ich fürchte, dass wir nicht allein aus einer gesellschaftlichen Transformation heraus in naher Zukunft zu einer kohlenstoffneutralen Gesellschaft werden“, so Stammer.

Dass das Thema Klimaschutz nun endlich in den Fokus der Politik gerät, sieht Stammer auch als Verdienst der Bewegung „Fridays for Future“. „Die Generation der Schülerinnen und Schüler, die jetzt auf die Straße gehen, wird stark vom Klimawandel betroffen sein. Deswegen ist es genau richtig, dass sie protestiert.“ Stammer selbst hat die Erklärung der „Scientists for Future“ unterschrieben – wie weltweit 26.000 Kolleginnen und Kollegen. Darin unterstützen Forschende die Forderungen der Demonstrierenden mit wissenschaftlichen Argumenten.

Ein Interview mit Prof. Dr. Detlef Stammer gibt es im Newsroom der Universität Hamburg unter: https://www.uni-hamburg.de/newsroom/im-fokus/2019/0918-interview-stammer

„Klartext zur Klimakrise“: Ein Interview mit Prof. Detlef Stammer zum Klimagipfel, zu „Fridays for Future“ und zu Wegen aus der Klimakrise finden Sie unter: https://www.youtube.com/watch?v=TxUFYn8VD5A

Quelle: Pressedienst der Universität Hamburg, 18. September 2019

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