IPCC Report

Weltklimarat bestätigt: Jetzt handeln!

Sonderbericht des IPCC zu Ozean und Kryosphäre (SROCC)

Die Extreme nehmen zu: Der Meeresspiegel steigt höher als im letzten IPCC-Bericht prognostiziert, Gletscher und Permafrost schmelzen noch schneller als gedacht, Wirbelstürme werden stärker. Dies ist die Bilanz des dritten Sonderberichts des Weltklimarates IPCC mit dem Schwerpunkt Ozean und Kryosphäre (Eisgebiete), der heute in Monaco vorgestellt wurde. Prof. Dr. Beate Ratter vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg hat als Leitautorin am Bericht mitgearbeitet.

Kleine Schritte im Klimaschutz reichen nicht mehr aus, das stellt der „IPCC Special Report on the Ocean and Cryospere in a Changing Climate“ (SROCC) unmissverständlich klar. Die Weltgemeinschaft müsse umdenken und einen Weg aushandeln, wie sich Gesellschaften grundlegend umgestalten können. Grundlage dafür sei, dass Regierungen vertrauenswürdig und zuverlässig handeln. „Doch es geht nicht nur um neue Regeln von oben,“ sagt die Geographin Beate Ratter. „Eine echte Umstellung hin zu erfolgreicher Klimawandelanpassung gelingt nur, wenn Anstöße aus der Gesellschaft gemeinsam mit politischen Maßnahmen wirken.“

Die Zeit drängt, denn nicht nur der Meeresspiegel steigt schneller als gedacht. Auch die extrem warmen Phasen im Ozean wie El Niño und La Niña werden sich schneller wiederholen. Laut Bericht werden Extremereignisse generell in Zukunft häufiger in Serie oder in sogenannten Kaskaden auftreten. So haben gefährdete Regionen möglicherweise weniger Zeit, sich zu erholen, und mit mehreren Problemen gleichzeitig zu kämpfen.

Die Themen Ozean und Kryosphäre hängen eng zusammen. Mit Fortschreiten der globalen Erwärmung schmelzen zum Beispiel die Gletscher im Gebirge. Große Mengen Wasser fließen ins Meer ab und lassen den Meeresspiegel steigen. Gleichzeitig fehlt dieses Wasser langfristig für die Landwirtschaft in den Bergen. Rund 10 Prozent aller Menschen weltweit leben im Hochgebirge, 11 Prozent in Küstengebieten. Jeder fünfte Bewohner der Erde ist also unmittelbar betroffen.

Es gibt Küstengebiete und Inselstaaten, die vor der Katastrophe stehen. Der Bericht befasst sich auch mit damit, wie zum Beispiel Maßnahmen zur Anpassung an den steigenden Meeresspiegel sinnvoll entwickelt und eingesetzt werden können. Klimawandelanpassung sei kein technisches Problem, sondern ein gesellschaftliches, sagt Ratter. Ein neues Gesetz oder eine Investition allein nützten da oft nichts. „Maßnahmen oder Regularien können auf Widerstand, Unverständnis oder Boykott stoßen, wenn sie nicht von und mit der lokalen Bevölkerung zusammen entwickelt und von ihr getragen werden“, so Ratter. Im Bericht wird auch betont, dass es für ein Umsteuern unverzichtbar sei, das Wissen der Menschen vor Ort mit einzubinden und zu nutzen. Insgesamt sei Prävention auch finanziell stets günstiger als ein Wiederaufbau nach eingetretener Katastrophe.

Zwei Jahre lang sichteten mehr als 100 Expertinnen und Experten aus 80 Nationen aktuelle Forschungsarbeiten und trugen die Ergebnisse zusammen. Der daraus entstandene Bericht spiegelt einen breiten Querschnitt des aktuellen Stands der Wissenschaft. Alle Aussagen werden zusätzlich mit Bewertungen versehen, wie wahrscheinlich ihr Eintreten ist.

Beate Ratter ist Leitautorin von Kapitel 6 des Sonderberichts SROCC „Extremes, Abrupt Changes and Managing Risks“. Sie arbeitete außerdem an den Boxen „Governance“ und „Low-Lying Islands and Coasts“ mit.

Die Professorin für Integrative Geographie ist Expertin für die Folgen des Klimawandels speziell auf kleinen Inseln und in Küstenräumen. Sie arbeitet am Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) und am Exzellenzcluster für Klimaforschung „Climate, Climatic Change, and Society“ (CLICCS) der Universität Hamburg sowie am Institut für Küstenforschung, Helmholtz Zentrum Geesthacht.

Link zum IPCC-Sonderbericht zu Ozean und Kryosphäre SROCC: http://www.ipcc.ch/report/srocc/

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