Plötzlich ist Frühlingsstimmung in Hamburg, die Tulpen blühen – und die Zivilgesellschaft zeigt, wie viel Kraft in ihr steckt. Unter dem kraftvollen Motto „Zukunft. Macht. Sinn!“ fand am 17. und 18. April im Gymnasium Lerchenfeld die fünfte AktionsKonferenz (AktiKo.5) statt. Für mich ist diese Konferenz ein zentraler Pulsschlag auf dem Weg zur Umsetzung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in unserer Hansestadt.
Das Abschlussevent am Samstagnachmittag war ein beeindruckendes Zeugnis lebendiger Demokratie. In einem dynamischen Pitch-Format hatten die zahlreichen Initiativen jeweils zwei Minuten Zeit, ihre in den Workshops erarbeiteten Handlungsideen vorzustellen. Über direkte Handzeichen spiegelte das Plenum unmittelbar Resonanz und Unterstützung zurück – ein basisdemokratischer Barometer, der zeigte: Hier wird nicht nur geredet, hier wird angepackt. Parallel dazu demonstrierten an diesem Tag 15.000 Menschen auf den Straßen, was den kollektiven Tatendrang im Saal nur noch verstärkte.
Die vorgestellten Initiativen im Überblick
In dichter Taktung wurde beim Abschlussevent ein breites Spektrum an konkreten Projekten präsentiert, die ökologische, soziale und demokratische Fragen intelligent miteinander verknüpfen:
- Wohnraum und Klimaschutz vereinen: Eine Initiative fordert, die städtische Wohnungsbaugesellschaft SAGA wieder in eine Anstalt öffentlichen Rechts umzuwandeln. Das Ziel ist es, die SAGA auf eine ökologische Transformation und faire Mieten zu verpflichten. Hierfür wurde die Idee eines neuen Hamburger Volksentscheids in den Raum gestellt.
- Digitale Vernetzung für die Energiewende: Weil die Wärmewende im Gebäudesektor entscheidend ist, soll ein ganzjähriges, digitales Forum geschaffen werden. Es soll den regelmäßigen Austausch, Kooperationen und gemeinsame Aktionen von zivilgesellschaftlichen Akteuren erleichtern.
- Schutz der Demokratie und Dialog: Initiativen wie die „Omas gegen Rechts“ hielten ein leidenschaftliches Plädoyer für den Schutz demokratischer Projekte, die aktuell unter Druck stehen. Gleichzeitig wurde die Wichtigkeit betont, Gesprächsangebote aufrechtzuerhalten und den Dialog auch mit Menschen am anderen Ende des politischen Spektrums (z.B. mithilfe von Konzepten der Psychologists for Future) zu suchen.
- Neuer Schwung für die Mobilitätswende: Um die in Hamburg stockende Mobilitätswende auf Quartiersebene voranzubringen, vernetzen sich Initiativen (u.a. ADFC und German Zero), um ganz konkret Bezirksversammlungen und Verwaltung anzusprechen. Ein praktisches Ziel: Die Umwandlung von Parkplätzen beschleunigen.
- Öffentlicher Raum und Permakultur: Straßen und Plätze sollen als demokratische Räume zurückerobert werden. Durch lokale Permakultur-Projekte und das Sichtbarmachen von „blühenden Landschaften“ in den Stadtteilen sollen Menschen emotional erreicht und zum Mitmachen motiviert werden.
- Steuergerechtigkeit für die Transformation: Eine Arbeitsgruppe stellte die Forderung nach einer Vermögenssteuer in den Fokus. Unter dem Motto „Überreichtum besteuern“ sollen Vermögen ab 50 Millionen Euro herangezogen werden, um die dringend nötigen gesellschaftlichen Veränderungen finanzieren zu können.
- Demokratie an Schulen und in der Gesellschaft: Die Initiative Mehr Demokratie rief zur Teilnahme an einer Umfrage auf, um die demokratischen Strukturen an Hamburgs Schulen zu evaluieren. Das Forum Lebendige Demokratie präsentierte zudem visionäre Ideen: von der besseren Nutzung der 45 Hamburger Bürgerhäuser für den Dialog über ein gigantisches „Demokratie-Konzert“ bis hin zur Etablierung eines Hamburger Klimabürgerrats zur Konsensfindung.
Begleitet von stimmungsvoller Gitarrenmusik endete die Veranstaltung mit einem wichtigen Appell für die zukünftige Kommunikation: Um breitere Mehrheiten zu gewinnen, sollten polarisierende Reizwörter öfter durch positive, einladende Begriffe wie „wachstumsunabhängig“ oder „Veränderung gemeinsam gestaltend“ ersetzt werden. Eine Dokumentation mit allen Kontaktdaten erscheint demnächst auf https://www.aktiko.de/. Hier sind eine Übersicht von Aktionen: Aktiko5-Handlungsvorschlaege

Kommentar: Warum die AktiKo Mut macht
von Karsten Weitzenegger
Wer an diesem Wochenende im Gymnasium Lerchenfeld war, konnte ein Gegenmittel gegen die allgegenwärtige Krisenmüdigkeit spüren. Die AktiKo.5 hat eindrucksvoll bewiesen, dass Hamburgs Zivilgesellschaft nicht im Problemfokus erstarrt, sondern unermüdlich an konkreten, lokalen Lösungen arbeitet.
Besonders positiv fällt auf, dass das Silodenken zunehmend aufgebrochen wird. Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum, Mobilität und die Verteidigung unserer Demokratie werden nicht mehr als isolierte Themenfelder behandelt, sondern als das verstanden, was sie sind: untrennbare Bestandteile einer echten sozial-ökologischen Transformation. Wenn sich Mobilitätsinitiativen mit Quartiersentwicklern zusammentun und Klimaschützer den Dialog mit Andersdenkenden üben, dann entstehen genau jene Synergien, die wir für die Erreichung der Agenda 2030 in Hamburg brauchen.
Das Format des Abschlussplenums – kurz, prägnant und unmittelbar interaktiv – war dabei ein Geniestreich. Es verhinderte stundenlange Monologe und förderte stattdessen das, was am wichtigsten ist: Die Vernetzung von Macherinnen und Machern. Das Orgateam, das komplett ehrenamtlich arbeitet, hat hier eine unschätzbar wertvolle Plattform für die Stadt geschaffen.
„Gemeinsam sind wir stärker“, hieß es am Ende treffend. Das Abschlussevent der AktiKo.5 hinterlässt keinen Zweifel daran, dass dieser Satz keine leere Floskel ist. Wenn wir diese geballte, positive Energie aus den Konferenzräumen auf die Hamburger Straßen, in die Bezirksämter und in unseren Alltag tragen, dann macht Zukunft tatsächlich Sinn.
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