Die dritte Hamburg Sustainability Conference bringt 1.600 Teilnehmende aus 115 Ländern in die Hansestadt. Für die Hamburger Zivilgesellschaft stellt sich die Frage: Ist das nur eine Weltbühne für andere — oder auch eine Chance für uns?
Vom 29. bis 30. Juni 2026 tagt die Hamburg Sustainability Conference im Herzen der Stadt. Bundespräsident Steinmeier eröffnet, Altkanzler Scholz lanciert eine neue Nord-Süd-Kommission, und rund 80 Sessions verhandeln die dringlichsten globalen Fragen unserer Zeit. Der Hamburger Ratschlag beobachtet das mit Interesse — und mit einem konkreten Anspruch: Was nützt globale Nachhaltigkeitspolitik, wenn sie nicht mit dem zusammenkommt, was Hamburgs Zivilgesellschaft tagtäglich erlebt und einfordert?
Die Agenda trifft unsere Themen
Die drei Schwerpunkte der HSC26 könnten direkt aus dem Arbeitsprogramm des Hamburger Ratschlages stammen. Resiliente Wirtschaften betrifft Hamburgs Häfen, Logistikketten und die Frage, wie eine Stadt, die vom Welthandel lebt, mit geopolitischen Verwerfungen umgeht. Risiko, Unsicherheit und Konflikt berührt die Fragen sozialer Sicherheit, gerechter Teilhabe und des Schutzes vulnerabler Gruppen in einer Stadt mit wachsenden Ungleichheiten. Multilateralismus und Governance schließlich ist keine abstrakte Debatte: Es geht darum, ob internationale Vereinbarungen wie die UN-Agenda 2030 auf kommunaler Ebene überhaupt ankommen — oder ob sie in Hamburger Senatsstuben verstauben.
Was der Ratschlag einbringt
Der Hamburger Ratschlag steht für das, was internationalen Konferenzen häufig fehlt: die Stimme derer, die nicht mit Business Class anreisen. Zivilgesellschaftliche Organisationen, Nachbarschaftsinitiativen, Wohlfahrtsverbände und Engagierte aus den Quartieren wissen, wie Nachhaltigkeitsziele auf dem Boden der Realität aussehen. Sie wissen, was es bedeutet, wenn Finanzierungslücken nicht auf Foliendecks stehen, sondern Beratungsstellen schließen. Sie wissen, was Klimawandelfolgen im Alltag eines Stadtteils bedeuten, der keine Lobby hat.
Die HSC26 kündigt an, mehr als 15 neue Allianzen zu starten. Eine davon betrifft Hamburg direkt: Eine Partnerschaft zwischen der Stadt, der eThekwini Municipality in Südafrika und UN-Habitat soll Hamburgs KI-gestütztes SDG-Reporting-Tool als Open-Source-Lösung weltweit verfügbar machen. Das ist löblich. Gleichzeitig lohnt die Frage: Nutzt Hamburg dieses Tool selbst so, dass Hamburger Bürgerinnen und Bürger den Fortschritt bei den Nachhaltigkeitszielen in ihrem Stadtteil nachverfolgen können?
Die 2030-Agenda braucht die Quartiere
Eine UNDP-Umfrage in 15 Ländern, eigens für die HSC26 durchgeführt, zeigt: Menschen erwarten stärkere internationale Zusammenarbeit und wirksamere Mechanismen zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Das gilt auch in Hamburg. Die Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen ist kein Projekt für Regierungen allein. Sie ist ein Versprechen an alle Menschen in allen Städten. Erste Bürgermeister Peter Tschentscher hat zur HSC26 formuliert, Hamburg wolle „neue Erkenntnisse für die Umsetzung der 2030-Agenda gewinnen“. Der Ratschlag nimmt ihn beim Wort.
Unsere Erwartungen an HSC26
Konkret erwarten wir von der HSC26 als Hamburger Zivilgesellschaft dreierlei:
Erstens Transparenz über lokale Umsetzung: Welche der angekündigten Allianzen haben eine direkte Hamburger Komponente, und wer ist zivilgesellschaftlich eingebunden? Eine Konferenz, die Hamburg als Plattform nutzt, sollte Hamburgs Organisationen als Partnerinnen behandeln, nicht als Kulisse.
Zweitens Anschluss an die Hamburg Sustainability Week: Die öffentliche Begleitwoche vom 26. Juni bis 3. Juli 2026 ist die Brücke zwischen dem Konferenzsaal und der Stadt. Wir wollen, dass dieser Brückenschlag ernst genommen wird — mit echter Beteiligung, nicht mit Informationsveranstaltungen, bei denen Entscheidungen längst gefallen sind.
Drittens Rechenschaft nach der Konferenz: Mehr als 15 Allianzen, eine Nord-Süd-Kommission, ein Call to Action gegen Kinderernährungsmangel bis 2030: Das sind Versprechen. Wer überprüft ihre Umsetzung? Der Hamburger Ratschlag wird das tun.
Die HSC26 live mitverfolgen
- Livestream ausgewählter Sessions:
- Hashtag: #HSC26 auf LinkedIn und Insta
- HSC Future Economy Day: 1. Juli 2026
- Hamburg Sustainability Week: 26. Juni bis 3. Juli 2026
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Berichterstattung von Karsten Weitzenegger zur Hamburg Sustainability Conference 2026.
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