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Die Stadt von morgen gestalten: Rückblick auf die Nachhaltigkeits-Werkstatt #HSC26 Nachhaltigkeit wirksam steuern: Was Hamburg jetzt braucht #HSC26 in Hamburg: Wenn die Welt zu Gast ist, was bleibt für die Stadt? Wer das Klima schützt, schützt die Demokratie

Zum Auftakt der 3. Hamburg Sustainability Conference am 29. Juni 2026 hat das Nachhaltigkeitsforum Hamburg ein Konzeptpapier veröffentlicht, das unbequeme Fragen stellt. Wie kann eine Nachhaltigkeitsstrategie mehr sein als ein gut gemeintes Dokument? Wie werden Ziele zu Entscheidungen, Entscheidungen zu Maßnahmen, Maßnahmen zu Wirkung? Die Antwort liegt nicht in weiteren Bekenntnissen, sondern in handfesten Governance-Strukturen.

Die Umsetzungslücke ist das eigentliche Problem

Tanja Ferkau, Geschäftsführerin der IMPCT for Change GmbH, die das Papier im Auftrag des Nachhaltigkeitsforums erstellte, bringt es auf den Punkt: „Beim Thema Nachhaltigkeit ist die Wissenslücke mittlerweile kleiner als die Umsetzungslücke.“ Das ist eine ehrliche Diagnose und eine politische Herausforderung zugleich. Hamburg weiß, was zu tun ist. Hamburg weiß, welche Ziele angestrebt werden. Was fehlt, ist der institutionelle Mut, diese Ziele bei Konflikten mit anderen Prioritäten tatsächlich durchzusetzen.

Die Stadt arbeitet derzeit an einer gesamtstädtischen Nachhaltigkeitsstrategie, die Klima- und Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Bildung zusammendenken soll. Das ist ambitioniert und richtig. Doch Strategiepapiere allein verändern nichts. Entscheidend ist, wie sie in den Alltag von Verwaltung und Politik eingebettet werden, wer kontrolliert, wer nachsteuert und wer Verantwortung trägt, wenn Ziele verfehlt werden.

Was das Konzeptpapier empfiehlt

Das Konzeptpapier analysiert bestehende Steuerungsmechanismen in Hamburg, identifiziert strukturelle Hemmnisse und formuliert konkrete Empfehlungen. Im Kern geht es um drei Forderungen: erstens eine bessere Koordination zwischen den Behörden, zweitens eine entschlossenere politische Steuerung mit klarer Verantwortungszuordnung und drittens mehr Verbindlichkeit, also die Pflicht nachzusteuern, wenn Ziele nicht erreicht werden.

Besonders bemerkenswert ist der Vorschlag, innovative Governance-Instrumente wie Reallabore und die Doughnut-Ökonomie fest in die Nachhaltigkeitsstrategie zu verankern. Reallabore erlauben es, neue Steuerungsansätze im realen städtischen Kontext zu testen, bevor sie breit eingeführt werden. Die Doughnut-Ökonomie nach Kate Raworth denkt Wohlstand neu: nicht als unbegrenztes Wachstum, sondern als Bewegung innerhalb eines sozialen Fundaments und planetarer Grenzen. Beide Ansätze sind in anderen Städten bereits erprobt und könnten Hamburg helfen, Nachhaltigkeit als systemisches Prinzip zu verankern, statt als Querschnittsthema, das am Ende allen gehört und niemanden wirklich bindet.

Zielkonflikte ernst nehmen

Ein zentraler Befund des Papiers ist, dass Nachhaltigkeit heute vor allem dann scheitert, wenn sie in Konflikt mit anderen politischen Zielen gerät: Wirtschaftswachstum, Wohnungsbau, Verkehr, Haushaltsdisziplin. Solche Konflikte sind nicht die Ausnahme, sie sind der Normalfall. Das Konzeptpapier fordert daher, dass die Hamburger Verwaltung Zielkonflikte frühzeitig identifiziert, transparent macht und mit klaren Priorisierungsregeln bearbeitet.

Das klingt technokratisch, ist aber hochpolitisch. Denn wer entscheidet, dass eine Klimaschutzmaßnahme wichtiger ist als eine bestimmte Baugenehmigung? Wer trägt die Verantwortung, wenn Hamburg seine eigenen Nachhaltigkeitsziele verfehlt? Diese Fragen lassen sich nicht allein durch bessere Koordination lösen, sie brauchen politischen Willen und institutionelle Rückendeckung. Sibylle Duncker, Leiterin der Geschäftsstelle des Nachhaltigkeitsforums Hamburg, formuliert die Erwartung klar: „Nachhaltigkeit darf keine Nebensache sein. Sie muss fester Bestandteil jeder Entscheidung werden, von der Planung bis zur Umsetzung.“

Was das für Hamburg bedeutet

Hamburg hat im deutschen Städtevergleich eine starke Ausgangsposition: eine aktive Zivilgesellschaft, ein bereits seit 2018 etabliertes Nachhaltigkeitsforum, das die Umsetzung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele kritisch-konstruktiv begleitet, und nun den politischen Willen, eine gesamtstädtische Strategie zu entwickeln. Das Nachhaltigkeitsforum Hamburg bündelt dabei 34 Organisationen und bringt unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven zusammen. Das ist eine solide Grundlage.

Was jetzt gebraucht wird, ist der Übergang vom Konsultationsmodus in den Steuerungsmodus. Das bedeutet: Nachhaltigkeit nicht nur als Thema in Beiräten und Konferenzen zu diskutieren, sondern als verbindliches Kriterium in Haushaltsverhandlungen, Bauleitplanung, Beschaffung und Personalentwicklung zu verankern. Das Konzeptpapier liefert dafür den analytischen Rahmen und konkrete Vorschläge. Ob Hamburg diesen Schritt geht, liegt an der Politik.

Ein Signal zur richtigen Zeit

Das Konzeptpapier erscheint zu einem wichtigen Moment: Die Nachhaltigkeitsstrategie ist noch in Entwicklung, die politischen Weichen werden gerade gestellt. Das Fenster für strukturelle Veränderungen ist offen. Wird Nachhaltigkeit jetzt tief in die Verwaltungsarchitektur eingebaut, entsteht eine Grundlage, die über Legislaturperioden hinaus trägt. Wird sie hingegen als Anhang einer bereits fertigen Strategie behandelt, droht das bekannte Muster: gute Absichten, unverbindliche Umsetzung, ausbleibende Wirkung.

Das Nachhaltigkeitsforum Hamburg und IMPCT for Change haben ihre Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist der Hamburger Senat am Zug.

Linkliste

Konzeptpapier (Vollversion): https://www.nachhaltigkeitsforum.org/wp-content/uploads/NFH-Konzeptpapier-Wirksame-Nachhaltigkeitsgovernance_IMPCT-2026.pdf

Kurzfassung: https://www.nachhaltigkeitsforum.org/wp-content/uploads/Kurzfassung-NFH-Konzeptpapier-Governance-Strukturen-2026.pdf

Nachhaltigkeitsforum Hamburg: https://www.nachhaltigkeitsforum.org/nachhaltigkeit-wirksam-steuern/

IMPCT for Change GmbH: https://www.impctforchange.com/


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