Das ist neu

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In einem kollaborativen, weltweiten Prozess wurde der Greening Communites Guidance unter dem Dach der Greening Education Partnership erstellt und am 14.11.2025 feierlich veröffentlicht. Neben dem Greening Schools und dem Greening Curriculum Guidance der UNESCO  wird hier auch ein Leitfaden für die Verankerung von Klima- und Nachhaltigkeitsbildung auf einer lokalen Ebene zur Seite gestellt. Die Publikation vereinigt Hintergrundinformationen, good practice aus der ganzen Welt sowie Leitfäden und Tools zur Einschätzung des aktuellen Standes in der eigenen Kommune oder Gemeinschaft.

Jürgen Forkel-Schubert war für die Freie und Hansestadt Hamburg an der Erarbeitung beteiligt. Seiner Meinung nach ist das Dokument „Greening communities guidance: lifelong learning for climate and sustainability action“ eine sehr gute praxisnahe Hilfestellung für die Verankerung von nachhaltigen Lernprozessen vor Ort.

Download in englischer Sprache: https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000396434

Zusammenfassung (mit KI erstellt)

UNESCO-Leitfaden „Greening Communities“: Analyse aus bildungspolitischer Perspektive für Deutschland

Das UNESCO-Dokument „Greening Communities Guidance: Lifelong Learning for Climate and Sustainability Action“ stellt einen wegweisenden Rahmen dar, der kommunale Klimabildung systematisch neu denkt.  Für Bildung in Deutschland erscheint dieser Leitfaden besonders relevant, da er präzise an die Herausforderungen anknüpft, vor denen deutsche Kommunen bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen stehen.

Kerninhalt und konzeptionelle Stärken

Der Leitfaden definiert „grüne Gemeinschaften“ als Kommunen jeder Größe, die ganzheitliche Lernmöglichkeiten schaffen, um klimabezogenes und nachhaltiges Handeln zu fördern. Zentral ist dabei der Ansatz des lebenslangen Lernens, der über klassische Schulbildung hinausgeht und non-formale sowie informelle Bildungskontexte systematisch einbezieht.

Die Publikation strukturiert sich entlang von fünf Kernfragen:

Wer kann Lernangebote für grünere Kommunen entwickeln? Das Dokument identifiziert ein breites Spektrum an Akteuren – von Kommunalverwaltungen über Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen bis hin zu Veränderungsakteuren wie Jugendlichen, indigenen Gemeinschaften und Frauenorganisationen. Kommunalregierungen werden als zentrale Koordinatoren positioniert, die durch Politikgestaltung, Ressourcenallokation und Multi-Stakeholder-Ansätze Transformationen ermöglichen.

Wo findet Lernen statt? Der Leitfaden erweitert den Lernraum erheblich über formale Bildungseinrichtungen hinaus auf kommunale Orte (Parks, Klimastationen), Alltagsorte (Arbeitsplätze, Märkte, Familien), natürliche Orte und digitale Räume. Diese Diversifizierung ist für Deutschland besonders relevant, da Bibliotheken, Museen und Volkshochschulen traditionell starke Bildungsträger darstellen.

Was und wie soll gelehrt werden? Inhaltlich umfasst das Curriculum sechs Themenbereiche: Klimawissenschaft, Ökosysteme und Biodiversität, Klimagerechtigkeit, Resilienzbildung, Post-Carbon-Ökonomien und nachhaltige Lebensstile. Didaktisch fordert das Dokument ganzheitliches Lernen, das kognitive, sozio-emotionale und handlungsorientierte Dimensionen integriert.

Wie entwickelt man eine kommunale Grünlernstrategie? Der Leitfaden bietet einen sechsstufigen Prozess: Hintergrundrecherche, Stakeholder-Einbindung, Gremienbildung, Strategieentwicklung mit Aktionsplan, Implementierung sowie Monitoring und Evaluation.

Relevanz und Anwendungspotenzial für Deutschland

Für deutsche Kommunen bietet dieser UNESCO-Leitfaden mehrere strategische Anknüpfungspunkte:

Passung zu bestehenden Strukturen: Deutschland verfügt bereits über Förderinstrumente wie die Kommunalrichtlinie des BMUV, die seit 2008 Klimaschutzmaßnahmen unterstützt. Der UNESCO-Ansatz ergänzt dies durch die systematische Bildungsdimension. Projekte wie „Lernfeld Kommune für Klimaschutz“ haben bereits gezeigt, dass die Verbindung von Schulen und kommunalem Klimaschutz funktioniert. Der Leitfaden systematisiert solche Ansätze und erweitert sie auf alle Altersgruppen.

Lebenslanges Lernen als Querschnittsaufgabe: Der GreenComp-Rahmen der EU und der UNESCO-Ansatz konvergieren in der Betonung lebenslangen Lernens für ökologische Nachhaltigkeit. Isabell Kempf, Direktorin des UNESCO-Instituts für Lebenslanges Lernen in Hamburg, bezeichnet lebenslanges Lernen als „persönlichen Werkzeugkoffer“ zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Dies korrespondiert mit der deutschen BNE-Tradition (Bildung für nachhaltige Entwicklung), die seit der UN-Dekade 2005-2014 etabliert ist.

Stakeholder-Kollaboration: Der Leitfaden betont partizipative Ansätze und Machtasymmetrien zwischen verschiedenen Akteuren. Für Deutschland bedeutet dies, dass Klimaschutzmanager:innen in Kommunen verstärkt mit Schulen, VHS, Bibliotheken, Sportvereinen und lokalen Unternehmen kooperieren sollten. Das Dokument gibt konkrete Hinweise, wie solche Partnerschaften strukturiert werden können.

Ganzheitlicher Institutionenansatz: Der „whole-institution approach“ für Schulen, Hochschulen und Berufsbildung ergänzt die Green School Quality Standards und bietet deutschen Bildungseinrichtungen einen Rahmen, Klimabildung nicht nur curricular, sondern auch in Governance, Infrastruktur und Community Engagement zu verankern.

Kritische Würdigung und Implementierungsherausforderungen

Stärken:

  • Inklusivität: Der Leitfaden adressiert explizit marginalisierte Gruppen – Menschen mit Behinderungen, Frauen, Jugendliche, ältere Menschen – und fordert deren aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Dies entspricht demokratischen Teilhabeprinzipien und Gerechtigkeitspostulaten.
  • Praxisorientierung: Mit konkreten Worksheets, Aktionsplänen und Bewertungstools (Annexe) bietet das Dokument umsetzbare Instrumente. Die „Action Planning and Assessment Tool“ ermöglicht Kommunen, ihren Status als „Lerner“ oder „Leader“ zu bestimmen.
  • Evidenzbasierung: Der Leitfaden wurde durch internationale Expert:innen entwickelt und durch öffentliche Konsultationen validiert. Fallbeispiele aus verschiedenen Weltregionen illustrieren erfolgreiche Implementierungen.

Herausforderungen für Deutschland:

  • Fragmentierte Zuständigkeiten: Bildung ist in Deutschland Ländersache, Klimaschutz oft kommunale Aufgabe. Die Koordination zwischen Bildungs- und Umweltressorts ist komplex. Der Leitfaden fordert aber genau diese Querschnittsintegration.
  • Ressourcenknappheit: Viele Kommunen, besonders in strukturschwachen Regionen, verfügen über begrenzte Budgets und Personalkapazitäten. Die Umsetzung umfassender Lernstrategien erfordert finanzielle und personelle Ressourcen, die durch Bundes- und Landesförderung gesichert werden müssen.
  • Motivierung desinteressierter Gruppen: Das Dokument erkennt an, dass nicht alle Stakeholder klimaengagiert sind. Für Deutschland, wo Klimaskepsis in Teilen der Bevölkerung existiert, sind die vorgeschlagenen Ansätze für „disengaged community members“ besonders relevant.
  • Digitale Spaltung: Der Leitfaden betont digitale Lernräume (Social Media, VR/AR, Gamification). In ländlichen Regionen Deutschlands mit schwacher Internetinfrastruktur ist dies eine Herausforderung.

Handlungsempfehlungen für deutsche Kommunen

  1. Bestandsaufnahme: Kommunen sollten bestehende Klimaschutzkonzepte um systematische Bildungskomponenten erweitern. Die im Leitfaden enthaltenen Mapping-Tools (für Policies, Stakeholder, Community Needs) können hierfür genutzt werden.
  2. Netzwerkbildung: Aufbau kommunaler Klimabildungsallianzen unter Einbindung von Schulen, VHS, Bibliotheken, Sportvereinen, IHK, Handwerk und Migrantenorganisationen. Das UNESCO Learning Cities Network bietet Peer-Learning-Möglichkeiten.
  3. Pilotprojekte: Start mit niedrigschwelligen Formaten wie Repair-Cafés, Nachbarschaftsgärten, klimabezogenen Stadtführungen oder Citizen-Science-Initiativen zur Biodiversitätserfassung.
  4. Politische Verankerung: Integration von Klimabildungszielen in kommunale Entwicklungspläne und Nachhaltigkeitsstrategien. Einrichtung von Klimabeiräten mit Jugendbeteiligung nach dem Vorbild der Oxford Citizens‘ Assembly.
  5. Monitoring: Nutzung des Assessment-Tools zur Selbstevaluation und iterativen Verbesserung. Berichterstattung an die Greening Education Partnership zur Sichtbarkeit und zum Wissenstransfer.
  6. Fortbildung: Schulungen für Verwaltungsmitarbeitende, Lehrkräfte und Multiplikator:innen zu transformativer Klimabildung, die über Faktenwissen hinausgeht und Selbstwirksamkeit fördert.

Fazit: Strategischer Mehrwert für Deutschland

Der UNESCO-Leitfaden „Greening Communities“ bietet deutschen Kommunen einen international anerkannten, wissenschaftlich fundierten Rahmen, um Klimaschutz und Bildung systematisch zu verzahnen. Er erweitert den Blick von schulischer BNE auf lebenslanges, gemeinschaftsbasiertes Lernen und adressiert damit die Dringlichkeit der Klimakrise, die alle Generationen und Lebensbereiche betrifft.

Besonders wertvoll ist die Betonung von Partizipation, Gerechtigkeit und lokalem Handeln. In einer Zeit, in der 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen in hochvulnerablen Kontexten leben und Deutschland seine Klimaziele verfehlt, bietet der Leitfaden konkrete Hebel für kommunale Transformation. Bis 2050 werden 70% der Weltbevölkerung in Städten leben – urbane und ländliche Kommunen sind damit Schlüsselakteure.

Der Leitfaden sollte als Referenzrahmen für kommunale Klimabildungsstrategien dienen, in Fortbildungen integriert und mit bestehenden Instrumenten wie der Kommunalrichtlinie und BNE-Strukturen verknüpft werden. Die Kombination aus globaler Vision und lokaler Anpassungsfähigkeit macht ihn zu einem unverzichtbaren Werkzeug für zukunftsfähige, resiliente Gemeinschaften.

 


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