Otto – sozial und ökologisch gar nicht gut?

BUND demonstriert mit dem Betriebsrat der Otto Group vor dem Werkstor und fordert, den Standort Hamburg für das Retourenzentrum zu erhalten
Mitglieder des BUND Hamburg haben heute zusammen mit Werksangehörigen und dem Betriebsrat der Otto Group gegen die geplante Schließung und Verlagerung des Retourenzentrums des Otto-Versandes nach Lodz in Polen sowie Pilsen in Tschechien demonstriert. Der Umweltverband fordert von Vorstand und Aufsichtsrat, den Standort in Hamburg aus sozialen, aber auch aus ökologischen Gründen zu erhalten. Insgesamt würde die Verlagerung etwa zu einer Verdopplung der LKW-Transportstrecken führen, verbunden mit einem höheren CO2-Ausstoß, mehr Lärm, Luftschadstoffen sowie einem erhöhten Ressourcenverbrauch für den Betrieb der LKW-Flotte.
„Wenn der Otto-Versand Kosten sparen will, soll er dies durch eine Verringerung des Retourenaufkommens erreichen, nicht aber durch eine sozial und ökologisch verheerende Verlagerung in Billiglohnländer“, so Manfred Braasch, Landesgeschäfts¬führer des BUND Hamburg. „Otto hat im Jahr 2017 den CSR-Preis der Bundesrepublik Deutschland für besondere ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung erhalten. Dieser Verantwortung muss sich das Unternehmen jetzt stellen und die über 800 Arbeitsplätze in Hamburg erhalten. Sonst heißt es bald nicht mehr „Otto find ich gut!“, sondern „Otto – sozial und ökologisch gar nicht gut!“, prophezeit Braasch.
Was die Retourenpraxis insgesamt anbelangt, fordert der BUND die Otto Group auf, dem Vorbild der wachsenden Zahl anderer Versandunternehmen zu folgen und die Retouren sowohl aus dem eigenen Sortiment als auch auf der Händlerplattform nicht mehr kostenlos anzubieten. Damit ließen sich enorme Einspareffekte erzielen, sowohl ökonomisch als auch ökologisch. Sollte aufgrund des erwünschten Rückgangs ein Teil der Arbeitsplätze wegfallen, könnten die betroffenen Menschen vergleichsweise einfach in anderen Unternehmensbereichen in Hamburg unterkommen, so der BUND.
Anlage: Streckenplan der Otto-Retouren für Hamburg sowie für Lodz / Pilsen

Ein Kommentar

  1. SoVD: „Profit zählt mehr als der Mensch“

    Hamburg, 26.11.2020. Die Otto-Tochter Hermes Fulfilment hatte angekündigt, ihren Hamburger Standort 2021 zu schließen und ihre Aktivitäten nach Polen und Tschechien zu verlagern: „Das bedeutet den Jobverlust für Menschen, die dringend auf ein Einkommen angewiesen sind. 840 Kolleginnen und Kollegen verlieren ihre Existenzgrundlage.“, stellt Wicher fest. Er ist über die Entscheidung des Otto Konzerns auch deshalb so empört, weil die Mitarbeiter schon seit Jahren auf Teile ihrer Lohnerhöhungen verzichten, um den Betrieb der Hamburger Tochterfirma abzusichern: „Mit 13,44 Euro ist das Lohnniveau dort relativ niedrig.“

    Zudem befürchtet der Hamburger SoVD Landeschef, dass viele der Mitarbeitenden keine Perspektiven für einen beruflichen Neuanfang haben und für lange Zeit arbeitslos werden könnten: „Immerhin arbeiten dort Menschen aus 69 Nationen. Viele davon sind jenseits der 50, sind alleinerziehend, alleinstehend oder leben mit Behinderung. Gerade in Zeiten von Corona werden die meisten von ihnen wenig Chancen auf einen neuen Job bekommen“, so Wicher.

    Er erinnert an die Firmenphilosophie der Unternehmensgründers Werner Otto: „Damals ging der Chef regelmäßig durch die Abteilungen und sprach persönlich mit den Angestellten. Dies zeugt für mich von Respekt und Anerkennung gegenüber den Mitarbeitenden. Diese Zeiten sind offenbar vorbei, denn knapp 1000 Menschen zu kündigen, ohne ihnen Unterstützung anzubieten, zeugt von einem anderen Denken. Jetzt zählt offenbar nur noch der Profit und nicht mehr der Mensch. Das enttäuscht mich auch persönlich sehr.“

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